Wednesday, 18 January 2012 17:38
Written by Robin Renitent

Von Charters Towers geht es, fast gerade, tief ins Herz Australiens. Langsam nehmen die Schilder und Speedkameras ab. Sehr erholsam. Dennoch, etwa 70 km hinter der Stadt sehen wir noch einmal einen gestoppten Autofahrer der wegen zu hoher Geschwindigkeit geschröpft wird. Dabei ist hier schon kein Verkehr mehr, alle paar Minuten ein Auto, das ist es. Meiner Meinung nach haben die eine Macke hier. Doch nun wird es noch einsamer, allenfalls Road-Trains mit bis zu 4 Anhängern begegnen uns. Maximale Länge eines solchen Zuges 53,5 Meter. Ich bin hingerissen. In den nächsten Tagen passieren wir ja etliche, sie folgen spurgenau ihrer Bahn, jetzt mit 100 km/h, später, in den Northern Territories, mit 130 km/h. Die Temperatur steigt, jetzt begegnen uns nur noch ganz, ganz wenige Autos. Schließlich sind es 42 Grad und wir stoßen Dankgebete an die Firma Subaru aus, daß sie eine so gute AirCondition eingebaut hat. Wir brauchen 3 Tage bis Alice Springs. Die Landschaft wechselt gelegentlich, ist aber doch meistens eintönig. Uns gefällts trotzdem. Ganz überwiegend kleine Büsche, Gräser und Flechten. Ab und zu ein totes Rind, das seinen Verwesungsgeruch weit verströmt. Die Roadtrains haben gigantische Edelstahlbarrieren vor den Motorhauben, kein Trucker wird wegen einer Kuh bremsen. Kann er auch gar nicht, der Bremsweg wäre zu lang. Wehe aber ein PKW donnert gegen ein solches Rind. Denn schon kleine Kängeruhs zerschlagen bei einem PKW völlig die Front. Doch Kängeruhs sehen wir keine, daß wird sich auch nicht mehr ändern bis Flinders Range. Allenfalls am Anfang noch tote. Insgesamt haben wir bisher in Australien mehr tote Kängeruhs gesehen als lebende.

Wir nächtigen in Roadhouses, also Tankstellen mit angeschlossenem Motel. Davon gibt es aber nicht mehr als 4 oder 5 auf der gesamten Strecke. Wir nutzen jede Möglichkeit zum Nachtanken. Der Bezinpreis steigt mit zunehmender Entfernung. Die Übernachtungspreise sind, für das was geboten wird, exorbitant. In Mount Isa haben wir noch das einigermaßen vernünftigste Zimmer. Eine Kunststadt rund um den Bergbau. Danach wird es wirklich einsam und heiß. Unsere Kinder machen auf dem Rücksitz Mathe und Französisch. Bon.

Alice Springs war in meiner Jugend, so hatte ich das Gelesene in Erinnerung, eine Kreuzung mit einer Kneipe. Heute ist es eine moderne Stadt mit breiten Strassen. Alles zieht sich endlos hin, laufen kann hier keiner. Es ist nichts, was uns hier wirklich reizt, wir essen was und fahren gleich weiter nach Uluru. Das sind nochmal 400 km. Dort kommen wir an, als es gerade schummrig wird. Die Preise im Hostel sind eine Frechheit. Aber klar, der Tourist muß ausgeraubt werden. Wir checken ein, lassen aber keine Minute unnötig verstreichen und fahren gleich raus zum Uluru. Leider ist es bewölkt, die Temperaturen sind gesunken (auf 33 Grad...echt kalt), die Ausläufer eines Zyklons machen sich bemerkbar. Der grandiose Sonnenuntergang ist also nicht, dennoch ist es schön, wir machen Fotos und gehen an seinem, Ulurus, Fuß spazieren. Man kann ihn ersteigen, doch empfohlen wird es nicht. Man kann die religiösen Gefühle der Aborigines verletzen und es ist gefährlich. Dennoch ist es nicht ausdrücklich verboten. 36 Leute sind hier schon zu Tode gestürzt. Wer also will darf...

In der Hostelküche dann ein einfaches Abendbrot, meine Frau kocht Nudeln. Nunja, wer es ansruchsvoller will kann auch ein „Dinner“ bestellen, AUD 54.- pro Person. Danke, wir verzichten, - auch auf den Schaschlikspieß Krokodilfleisch für AUD 38.- ohne Zutaten. Dafür treffen wir 2 deutsche Brüder aus dem Allgäu, sehr nett, die gerade aus Neuseeland gekommen sind. Da, wo wir demnächst hinwollen. Wir sprechen über die Label-, Schilder-, und Vorschriftenmacke der Aussies. „In Neuseeland ist alles 10 Mal schlimmer“, sagen sie. Na, das macht mich ja ganz glücklich...


Am nächsten Tag besuchen wir Kata Tjuta, die Riesenklamotten, jetzt strahlt die Sonne unbarmherzig, kein Wölkchen mehr, die Temperaturen steigen. Wir verbringen mehr als den halben Tag in der Gegend, doch dann brechen wir auf. Die Übernachtungspreise sind einfach zu hoch. Und wieder fahre ich zwischen 150 und 180 km/h. Das ist gegen alle Gesetze und Vorschriften, aber meine Kalkulation, daß hier im heißen Outback doch kein Bulle hinter einem Busch sitzt, wenn nur alle halbe Stunde eine Auto kommt, geht auf. So kommen wir auch diesmal flott voran. Nächstes Ziel ist Coober Pedy. Das ist eine Opalgräberstadt. Menschen aus 45 Nationen buddeln hier nach Opal. Viele am Existenzminimum, hoffend auf den großen Fund. Es gibt soviel Irre hier, man glaubt es kaum. Die ganz Landschaft sieht aus als ob Riesenmaulwürfe sich hier austoben würden. Na klar findet man auch Opale. Es reicht immer gerade so um weiter zu machen. Hier ist es nun wirklich heiß, 45 Grad zeigen die Thermometer.

In der Hitze lungern, wie fast überall, Aborigines herum. Sie gröhlen und saufen und wirken immer, als ob sie einen in der Krone hätten. Natürlich gibt es Aborigines die arbeiten. Die sieht man aber nicht.Was man sieht sind relativ verkommene Existenzen, die von der australischen Gesellschaft leben. Kulturrelativistisch und linksgutmenschlich wäre es, wenn man jetzt argumentiert, der weiße Mann hätte den Aborigines Australien geklaut. Man kann es durchaus anders sehen: Einigen kriminellen Elementen, aus England hierher abgeschoben, blieb nichts weiter übrig als die Ärmel hochzukrempeln und aus dem Land was zu machen. Haben sie ja. Die Aborigines hatten ihre Chance. Jahrtausendelang. Oder sagen wir es mal anders und argumentieren mit dem Juden-Gen. Angenommen die Juden hätten dieses Land vorgefunden, wie es war, als nur die Aborigines hier lebten. Seien Sie sicher, die hätten diese Wüsten zum Blühen gebracht. So wie in der Negev. Womit für mich die genetische Debatte schon ihre entscheidende Wende hat. Das Intelligenz-Gen ist eben, leider, leider, gelle, nicht gerecht verteilt. Warum nun aber deswegen die weißen Australier die Aborigines, wenigstens in großen Teilen, durchfüttern müßen, ist nicht einzusehen.

Wir schauen uns eine Mine, eine Opalmine, in Coober Pedy an. Viele Häuser sind hier unterirdisch zum Schutz vor der Hitze. Auch eine unterirdische katholische Kirche besuchen wir. Einige Gestalten hier sehen aus wie aus einem Film, ich bin aber ausnahmsweise zurückhaltend und mache nicht wie sonst üblich Portraitfotos. Die Aborigines mögen das überhaupt nicht und die Weißen sehen auch nicht sehr umgänglich aus. Dann treffen wir eine Kielerin die hier lebt. Sie war schon an vielen Orten, in der Wüste von Nevada, im kanadischen Outback und auf Hawai. Nein, sie vermißt die Eider nicht, nicht das Grün, nicht die Rapsfelder. Nein, sie braucht auch keinen Mann der ihre Freiheit beschneidet. Sie hat sich in die Wüste verliebt! Basta!

Nun geht es weiter und das Thermometer klettert erneut auf über 45 Grad. Jetzt fehlen selbst die Büsche und zum Schluß auch die Gräser. So geht das stundenlang. Autos keine mehr, Trucks keine mehr. Nur wir und die Landschaft und die Hitze. Abends dann kommen wir in Port Augusta an. Wir haben den gesamten Kontinent einmal durchquert, 11000 km zeigt der Tacho ab Melbourne. Die Stimmung ist gut, aber wir sind etwas angemüdet. Die Temperatur ist gesunken, richtig kalt ist es plötzlich, jetzt, in der Nacht. Nur 33 Grad. Wir checken für 2 Tage ein. Denn morgen wollen wir noch nach Flinders Range. Doch dann der Schock, wir machen das Internet an: Es hat sich in den Medien etwas entwulfft, dafür ist ein Kreuzfahrschiff umgekippt. Wegen Dussligkeit des Kapitäns. Herrje, und unsere Kreuzfahrt, quer über den Pazifik, startet am 6. März. Ich beruhige uns, die Gesellschaft ist eine amerikanische. Italienern und Griechen ist nicht zu trauen. Entweder schauen sie Fußball und rappeln ihre Fähre gegen die Küste oder sie machen waghalsige Manöver und gehen als Erste von Bord. Mein Lieblings-Nennonkel hatte mal gesagt: „Alles südlich der Alpen kannste vergessen!“ Ein naher Verwandter hat ihn dann deswegen Rassist genannt. Dabei hatte er so recht, der Onkel. Ich erinnere mich noch gut der ADAC-Untersuchungen von italienischen Tunneln, Fähren und Kreuzfahrtschiffen. Das war vor 20 Jahren. Immer gab es etwas zu monieren, immer war etwas schlampig und chaotisch. Und nie war jemand hinterher wirklich verantwortlich. „So sind se halt, die Itaka“, sag ich jetzt mal im Stammtischjargon (um einen anderen Bekannten, der immer meine Sprache moniert, zu ärgern...) Wir aber freuen uns trotzdem auf unsere 17-Tage-Kreuzfahrt. Und wir sind sicher: Alle Kapitäne bekommen jetzt noch mal eins auf den Deckel. Sowas ist letztlich gut für uns.

Heute dann der Flinders Nationalpark, genannt nach dem Entdecker Matthew Flinders. (Auch er ließ sich durch Bücher inspirieren....) Es ist ein Ruhetag und wir fahren nur 300 km. Doch dann, nach 150 km und bei 39 Grad Hitze platzt der Hinterreifen. Also wechseln. Mit dem Ersatzrad dürfen wir nur 80 fahren und genau 5 Minuten später springt ein Emus direkt vor unser Auto. Vollbremsung. Geschafft. Wäre ich die erlaubten 110 km/h gefahren hätten wir jetzt eine zermanschte Motorhaube. So hat alles sein Gutes. Morgen wird der Reifen repariert, denn in Australien klappen sie um 19 Uhr alle Bürgersteige hoch. Und Zahlungsschwierigkeiten haben wir auch. Längst nicht alle Hotels oder ATM’s akzeptieren unsere Kreditkarten. Nachts, und im Dunkeln und noch nicht eingescheckt und dann noch bei 33 Grad, hungrig und müde, kann so was nerven. Die haben nur auf ihre lokale Bank abgestellt. Aber das nur am Rande.
Sonst ist alles super und deshalb wollen wir morgen weiter.


Fotos: Copyright Rebellogblog 2012/ 1: Temperaturanzeige und Uhrzeit, 2: endlos, endlos, 3: Devils Marbels, 4: Benzinpreis vor Alice Springs, später war er AUD 2.00, 5: Uluru und 6: Uluru mit meinem Anhang, 7: Unsealed Road, 8: Northern Territory Police, 9: Chemietruck, Roadtrain, nur 3 Anhänger weil "Explosives", sonst 4 Anhänger, 10: Opalmaulwurfshügel der Miners, ein Claim kann 50 x 50 m sein oder 50 x 100m. Registration nur für australische Residenten, nicht Touristen, 11: Jedes Jahr verschwinden einige dämliche Touristen in den unzähligen Löchern. Die sínd ungefähr 60 cm breit und bis zu 30 m tief. Wer soll die bei der Hitze suchen? 12: Unser Subaru in der untergehenden Sonne im Outback.