Tuesday, 24 August 2010 12:57
Written by Robin Renitent

Der Hyundai Sonata Y20 gefällt uns, (neulich schrieb ich versehentlich Honda) ein komfortables, leises Auto, welches sich gut fährt. Wir fahren hunderte von Kilometern im Süden Südkoreas. Natürlich steigen wir auch aus. Wir lernen Regionen kennen, in denen bestimmt noch nie oder nur ganz selten ein Tourist war. Korenaer mit denen ich sprach, sofern das in Ausnahmen möglich ist, reisen jedenfalls nicht so viel im eigenen Land. Sie haben ja auch deutlich weniger Urlaub. Es ist oft wie in Amerika: Der Urlaub ist Freitag und Sonnabend und Sonntag geht es bereits wieder zurück. Entsprechend ist auch die Tourismusindustrie: Schnell und billig, futtern und vergnügen. Andererseits sind wir schon erstaunt wie viele Koreaner mit ihren Kindern an diesen Wochenenden die Museen und nationalen Heiligtümer besuchen. Es gibt sehr viele Kinder, vielleicht aber sehen wir auch nur so viele, weil Ferien sind. Wir sehen übrigens viele Boy’s- und Girl’s-Schulen, wie weit auch koedukative Schulen verbreitet sind vermag ich nicht zu beurteilen – noch nicht. Jedenfalls tragen alle Kinder Schuluniformen. Update: Ich treffe eine Lehrerin, Grad 5, und die sagt, daß in Elementary Schools, die Kinder nicht nach Geschlechtern getrennt sind.
In meinem Autoradio gibt es 6 -7 Sender. Ein Sender ist in englischer Sprache. Auf 2 Sendern läuft viel klassische Musik. Es ist schon komisch durch koreanische Reisfelder zu fahren und die Gregorianischen Gesänge oder Beethoven’s Neunte Sinfonie zu hören. Insgesamt macht Korea einen sehr sauberen, jungen und modernen Eindruck. Alle Städte die wir besucht haben, oder wo wir durchgefahren sind, es waren und sind doch insgesamt sehr viele, haben gepflegte öffentliche Bereiche wo für die Bürger richtig Geld ausgegeben wurde. Moderne Skupturen, Parkanlagen, Springbrunnen, Sonnensegel, Ruhezonen. Was auch auffällt: Alles wurde in hoher Qualität gefertigt: Kilometerlange Geländer aus Edelstahl, hochwertige Sitzmöbel, aufwendige Beleuchtungen und Laternen. Kein Billigmist, man denkt ganz offensichtlich langfristig. Natürlich hält sich auch der Vandalismus in Grenzen, viel beschädigtes oder zerstörtes haben wir nicht gesehen.
Dagegen ist die Videoüberwachung des Autofahrers nahezu nahtlos. Ich frage mich, welcher technologische Aufwand war nötig, wieviel zehntausende Kilometer von Kabeln wurden verlegt, wieviel tausende Kameras wurden installiert um so lückenlos den Verkehr zu überwachen. Jede Kreuzung wird von mindestens 8 Kameras, oft weit mehr, beobachtet, ja selbst auf freier Strecke sind alle paar hundert Meter Masten mit Kameras. Was ich inzwischen auch herausgefunden habe: Unter dem Rückspiegel meines Honda ist eine Kamera eingebaut die die gesamte Fahrt mitfilmt. An der Seite ist ein Schlitz für eine SD-Card. Steige ich ein und starte, sagt mir eine freundliche Stimme: „Geoposition detected – current Videosaving is beeing recorded!“ Fahre ich durch ein Schlagloch sagt die „Dame“: „Shock detected!“ Well, es dient ja meiner Sicherheit. Im Falle eines Unfalls, sofern ich unschuldig bin, kann ich (bzw. „das System“) das
easy beweisen. Bin ich schuldig helfen allerdings keinerlei Ausreden...Was allerdings wirklich nervt sind die langen Ampelphasen. Ewig wartet man, sowohl als Fußgänger, als auch als Autofahrer. Das liegt daran, daß man den Verkehrsteilnehmern nichts zutraut. Zum Beispiel Linksabbiegen. Jede Richtung, also etwa 10, fahren isoliert, damit man sich nicht ins Gehege kommt. Das dauert. Zeigt also die Ampel in meiner Richtung „Geradeaus grün“, heißt das nicht, daß ich fahren kann. Ich muß warten bis auch „Links abbiegen grün“ erscheint. Dabei wäre es ja einfach eine freie Lücke im Gegenverkehr nutzen zu können. Also braucht man viel Geduld.
Wie auch immer, das Autobahn und Straßensystem mit dem sich Korea ausgestattet hat ist Spitze, umwerfend gut, teilweise besser als in Deutschland. Alles aus eigener Kraft, nix mit EU und den unterstützenden Steuern befreundeter Staaten. Hallo Ungarn, hallo Polen, hallo liebe östliche Nachbarn. Weder an den tollen U-Bahnen, Brücken oder E-Werken steht ein Schild „gebaut mit Hilfe der ....sagen wir mal Chinesen, Japaner, etc.pp.“ Das ginge ja auch gar nicht, beschäftigt man sich mit der koreanischen Geschichte, dann weiß man um die Probleme zwischen den beiden Ländern. Dennoch, wir treffen viele japanische Touristen, heute kommt man offensichtlich so gut aus miteinander wie beispielsweise Deutsche und Franzosen. Nix mehr mit Erbfeind, ---- oder? Naja, bohren wir mal lieber nicht so tief in der französischen Dominanz in Europa und ihren linken Tricks in Brüssel. Die Koreaner haben denn auch keinen „Hosenanzug“ sondern einen ausgesprochen tüchtigen Regierungschef, der schon vorher bewiesen hat, daß er zu Leistung und unkonventionellen, klugen Entscheidungen fähig ist.
Wir Bürger sind ja vergeßlich, aber wir hatten durchaus auch schon tüchtige Politiker, ja echte Persönlichkeiten. Doch zunehmend und inflationär wächst nur noch unteres Mittelmaß nach, besser gesagt, echte Nullen und farblose Möchtegerne. Schauen Sie sich beispielsweise alle unsere Präsidenten nach Herzog an. Grausam.

Heute sind wir in Wan-do. Meine Tochter wird morgen 11 Jahre alt. Die letzten Geburtstage hat sie immer in einem anderen Land gefeiert. Es war nicht einfach heute eine Kerze aufzutreiben. Morgen fahren wir mit der Fähre, die Fahrt dauert 3 Stunden, zum Jeju-Island. Dort werden wir eine koreanische Geburtstagstorte probieren – sofern wir eine finden. Dennoch, es gelang uns immer ein unvergeßliches Highlight in den Tag zu zaubern. Birthday on the road.
Jeju ist eine ziemlich große Insel, 260km im Umfang, ausserdem eine sich „selbstverwaltende Provinz“. Weshalb wir wohl auch die Pässe an der Fähre zeigen müssen. Sie ist nur bei den Koreanern richtig bekannt und beliebt, international wohl eher nicht. Dennoch, das Bemühen um den Gast ist groß, der Attraktionen viele. Wie also gestalten wir den Geburtstag? Nach der Überfahrt, der Suche nach einem Hotel und dem Einchecken, machen wir uns auf den Weg zu einem Lavatunnel.
Der hat die Größe eines Autobahntunnels. Vor 100 000 Jahren ist hier die Lava des nahegelegenen – lange erloschenen- Vulkans durchgeschossen. Tolle Formationen und geologische Besonderheiten machen das auch für unsere Kinder interessant. Wir laufen 2 km in angenehmer Kühle, oben auf der Erde sind 38 Grad. Kaum draussen und einige Kilomneter gefahren kommt der absolute Hit für Kinder. Ein Riesenlabyrinth. Da hilft nichts, da müssen wir alle rein und den Ausgang finden. Eine Riesengaudi, das Geburtstagskind strahlt. Wieder am Hotel stellt sich die Frage nach dem Geburtstagsessen. Rohfisch, Oktopussy und Muscheln scheiden für sie aus. Aber es gibt, nur einen Block entfernt, eine ganze Strasse mit Wildschweinrestaurants. Na, nichts wie hin, wir finden ein ziemlich gutes Restaurant und das Geburtstagsdinner kann beginnen.
Ich will mal, neutral, versuchen zu beschreiben wie sowas in Korea läuft: Man kommt in das Restaurant, in der Mitte ist ein Plateau, etwa 20 cm hoch, und daruf die Tische etwa 30 cm hoch. Hier sitzen die Koreaner, barfüssig, im Schneidersitz. Ihre Schuhe liegen kreuz und quer im Gang vor dem Podest. (Am liebsten würde ich mich bücken und alle in Reih und Glied stellen, aber das ist der preussische Pedant in mir...) Ausserhalb des Plateaus, auf der anderen Seite des um das Plateau laufenden Ganges sind richtige Tische mit Stühlen. In jeden Tisch ist ein Gasgrill eingelassen. Eine Bedienung kommt, gibt einem die Karte. Man kann zwischen etwa 5-6 Gerichten wählen, alles Wildschwein, und der Menge des Fleisches. Zum Beispiel 500gr oder 750gr. Hat man sich entschieden, kommen 2-3 Serviererinnen und stellen um die 20 kleine Schälchen auf das Rund um den Grill. Alles ziemlich scharfe Sachen, Soßen und Dips. Dann kommt das Fleisch, roh, auf einem Teller, eine Fleischzange und eine Schere. Ausserdem gleich die Rechnung.

Man fettet nun die Grillplatte eine, grillt das Fleisch, und taucht es, wenn es durch ist, und man es mit der Schere kleingeschnitten hat, in die verschiedenen Schälchen, platziert es anschließend auf einem Salatblatt und ißt. Tja, bis man alles aufgegessen hat – oder auch nicht. Es bleibt einiges festzuhalten: 1. Ein koreanischer Koch muß nicht kochen können. Er muß es nur schaffen die Schälchen zu füllen und das Fleisch zu schneiden. 2. Ein Bedienung muß nicht bedienen können, wichtig ist, daß sie die Schälchen auf den richtigen Tisch stellt und die Rechnung daläßt. Kassieren muß sie nicht können, das macht man an der Kasse. 3. Gutes Benehmen ist unwichtig, man kann nach Belieben schmatzen, schlürfen und mit den Fingern essen. Fällt was auf den Boden macht das nichts. Kleckern kann man nach Herzenslust, weiße Tischtücher gibt es eh nicht. Nunja, das ist keine Klage, sondern eine Beschreibung, andere Länder, andere Sitten. Ich finde das mal ganz interessant, ohne, daß ich mein Ziel der Erziehung guter Tischsitten bei den Kindern aufgeben werde. Hier in Korea stört es mich auch weniger als in Kanada, wo ich hier drüber geschrieben habe.
Wie auch immer, unsere Kleine war selig und hat nur ihre Freundin in Budapest vermißt. Heute waren im Hallasan-Krater und im Trick-Art Museum. Ganz toll, komme noch drauf zurück.

Das Internet ist schrecklich langsam, deshalb auch einige Fehler, die ich nicht verbessern kann. Bilder kann ich auch nicht posten. Wird nachgeliefert. Morgen will ich auch mal meinen Spaß haben und werde mit meiner Frau ins Love-Land gehen. (Bericht folgt) Die Kinder müssen wir dann draussen im Café parken...Zutritt erst ab 18...

Photos: Rebellog / 1:Hyundai Sonata Y20, 2: Fast alle Privat-PKW fahren mit Gas, das Tankstellennetz ist enorm dicht, aber der Tank kostet Platz im Kofferraum, 3:Rundschau aus dem Fesselballon -Made in Germany-, 4: Ausschnitt aus einem Riesenlabyrinth, 5: Lavatunnel, 6: Wildschweinrestaurant, so siehts aber ueberall aus, 7: Ilchulbong Vulkankrater, hunderte von Stufen bergauf bei 38 Grad Hitze, ich habe aufgegeben, aber die Familie hat es geschafft, 8: Trick-Art-Museum, ganz toll, nicht nur fuer Kinder.