Monday, 14 May 2012 08:49
Written by Robin Renitent

Von Drumheller geht’s zurück nach Calgary. Am nächsten Tag fahren wir nochmal zum Athabasca Glacier wo wir schon am 9. Mai waren. Doch da bezog sich in den oberen Lagen der Himmel und wir hätten, im einsetzenden Schneegestöber, nicht viel gesehen. Klar, es sind wieder einige hundert Kilometer zu fahren, doch der Tag ist brilliant. Klare Sicht, strahlende Sonne, blauer Himmel. Diemal leisten wir uns die Tour und fahren mit einem Schneemobil auf den Gletscher. Das ist zwar Gruppentourismus, aber anders ist es nicht machbar. Erstens haben wir keine Winterausrüstung und auch keine festen Schuhe und zweitens haben wir weder die Kenntnis, noch die Konstitution um auf den Gletscher zu kraxeln. Dafür braucht man ohnehin ein Permit und das bekommt man nur beim Nachweis von guter Kenntnis und Ausrüstung. Aber auch so ist es toll. Das Kraxelmobil schafft spielend die 32 Prozent Steigung, gleich 18 Grad. Auf dem Gletscher pfeift es gewaltig und der Wind ist eiskalt. Bereits nach 20 Minuten hat man genug und sucht die Wärme des Busses. Dennoch, das ist ein gewaltiges Erlebnis und man bekommt ein Gefühl für die Dimensionen der besonderen Art: Unter uns 300 m Eis, der Gletscher wandert jährlich 25 Meter.

Aber noch einen anderen Grund gibt es für den Ausflug auf das Eis: Wir haben Alaska gestrichen. Es wäre bis Anchorage nochmal 5000 km zu fahren. Eine andere Idee war von Vacouver ein 7 Tage Kreuzfahrtschiff zu nehmen. Ja, das fährt die Strecke, fährt auch dicht an die Gletscher heran, man sieht sie kalben. Doch die billigste Variante sind auch um die € 3000.-. Und das Mietauto hätten wir in einer Garage unterstellen müssen, auch $ 30.- pro Tag. Also lassen wir das erstmal, schließlich müssen unsere Kinder auch noch einige Ecken auf der Welt haben, die sie selber erobern können. Wir werden nach Frisco einen anderen Weg zurückfahren als wir gekommen sind. In Mittel- und Südamerika warten noch genug Abenteuer auf uns.
Also bleiben wir 2 Tage in Canmore. Wirklich, bisher hat mir keine kanadische Stadt gefallen, aber Cenmore ist eine Ausnahme. Vielleicht ist es die schönste Stadt Kanada’s. Keine Ahnung. Aber wir fühlen uns wie in den Schweizer Alpen. Der Bürgermeister, oder wer imner dafür verantwortlich ist, hat was locker. Alle Gebäude sind landschaftsangepaßt, die Entfernungen sind noch so, daß man auch mal laufen kann. Ein ganz tolles Städtchen. Dies ist der Beweis, wie man aus einer alten Minenstadt eine moderne, florierende Stadt machen kann, die gut vom Tourismus lebt. Dennoch, die Tante an der Rezeption meint, daß Cenmore, im Zuge der Wirtschaftskrise, letztes Jahr, stark gebeutelt wurde. Dabei ist Kanada, durch seine Erdölvorkommen noch gut aufgestellt. Meine Frau liest mir eine Nachricht aus dem russischen Internet vor: Da behauptet irgendwo ein grüner „Experte“ oder Wissenschaftler, „daß die Zivilisation zugrunde gehen wird, weil man nun nicht nur Erdöl pumpt, sondern, wie in Alberta, aus dem Gestein preßt.“ Wir sind sicher: Sollten die Leute hier davon erfahren kratzen sie sich an der Rübe und zucken mit den Schultern. Wie wir. Unsere Meinung zu „Experten“ kennen Sie ja inzwischen.

Ja, Kanada ist ein tolles Land. Landschaftlich. Berge, Wälder, Seen, Küste, Ebenen, alles wunderbar. In die Landschaft kann man sich verlieben. In die Natur schon weniger. Die ist, gemessen an der Natur in Deutschland, Singvögel, Laubbäume etc., schon wesentlich ärmer. Womit wir wirklich Probleme haben ist, mehr, als das bei Menschen in anderen Ländern der Fall ist, die Mentalität der Leute. Nie hatten wir Probleme in den USA, und wir kennen jetzt 48 Staaten recht gut, nie in einem anderen Land, nehmen wir als Beispiel Ungarn, wo wir 7 Monate waren, oder Israel, wo wir 3 Monate waren, oder China, wo wir 5 Monate waren. Klar, die Chinesen spucken und rotzen und haben ein sauschlechtes Benehmen. Und in Indien hat uns das Kastensystem gestört, daß zum Beispiel unseren Fahrer wie einen Unterklassemenschen behandelte. Aber diese zwei Länder.... mit denen vergleiche ich nicht. Die sind wie sie sind, da will ich reisen, aber nicht leben. Doch in Kanada sind wir seit 13 Jahren Residenten. Und da gibt es eben etliches was wirklich stört: Kanadier sind absolut regierungs-, bzw. systemhörig. Sie protestieren einfach nicht, sie nehmen alles so hin. Sie sind nicht neugierig, haben tiefe Komplexe gegenüber den USA, halten sich aber für die Größten. Der Busfahrer in dem Gletscherbus erzählt 3 Mal, das der von Kanada gebaut wurde. Mag sein, wer hat auch solche Gletscher, doch ich schaue genauer hin: Die Maschine und das Getriebe sind von Mercedes-Benz. Aha.

An den Kanadiern kann man gut studieren wie Menschen sich verändern, wenn sie ein- oder zwei Generationen einem Nanny State ausgeliefet sind. Sie akzeptieren diese Fürsorge, ja sehnen sich nach ihr und werden völlig hilflos, wenn etwas unvorhergesehenes passiert. Können Sie sich vorstellen, daß man, wenn in Europa, irgendwo, eine Glühbirne in der Strassenlaterne gewechselt werden muß, vor und hinter dem Hebebühnenfahrzeug (Cherry Picker) ein Stop-and-Go-Flagman steht und ein Schild hält: „Stop/Slow“? An vielen Baustellen haben wir mehr solcher Schilderhalter gesehen (natürlich mit Sicherheitshelm, so, als ob ihnen was vom freien Himmel auf den Kopf fallen könnte) als Arbeiter. Aber es gibt Steigerungen. An manchen Baustellen, also, wenn zum Beispiel eine Fahrbahn wegen Bauarbeiten gesperrt ist, werden sie von einem „Follow Me“-Fahrzeug durchgeleitet. Jawohl. Vorne das Leitfahrzeug und dahinter eine Handvoll Autos. Denn in Kanada fahren überwiegend Blinde.

Wenn etwas nicht „gelabelt“, also beschildert ist, dann werden die Menschen unsicher. Und gelabelt ist fast alles. Von „Scent-Free-Zone“, über die Androhung von „Konsequenzen“ bei dem Gebrauch von „profaner“ Sprache (Fuck you!) bis zu all den Regulations der „Human Recources and Health and Safety Issues“. Denn Kanadier haben vor allem Angst. Im Moment ist ganz groß in Mode „Glutenfree“, gerade so, als ob jeder, wenn er nicht „glutenfree“ ißt, eingeht. Ein Minderheitenproblem, in Deutschland beschränkt, glücklicherweise, auf das nächste Reformhaus. Und geben sie ihrem Kind ja keine Leckerei oder ein Frühstücksbrot mit zur Schule, daß „Peanuts“ oder andere Nüsse enthält. Auch ein T-Shirt, das für Jesus wirbt sollten ihre Gören nicht tragen. So gibt es auch kein „Frohes Fest“ mehr, sondern „Seasons Greetings“.

So sieht Sozialismus aus. Der, der auf die softe, aber nachdrückliche Art daherkommt. Nein, keine Genickschüsse, alles lieb und einfühlsam. Aber eben auch schrecklich. Für einen Paläolibertären wie mich auf Dauer nicht akzeptabel.
Der Mangel an intellektueller Neugier ist ein anderes Problem. Die junge Deutsche, die wir vor einigen Tagen in Golden trafen, ist ein gutes Beispiel. Sie ist jetzt 2 Jahre hier, ihr Freund hat sich in die Berge verliebt. Freunde, obwohl sehr aufgeschlossen, haben sie keine. Man kann mit den Leuten weder über Politik (darüber schon gar nicht), Kunst, Literatur oder sonstwas reden. Sie mögen lieber „gossipen“, also klatschen. Na denn.
Also klatschen auch wir etwas. Oder nein, doch etwas ernsthafter: Die junge Deutsche setzte alle Hoffnungen auf die Piraten. Die neue „Partei“. Später entwickelt sich da eine Diskussion mit meinem Filius. Er will Aufklärung. Er hat darüber gelesen und will wissen wie sein Alter denkt. Das freut mich. Andere Kinder die ich habe interessieren sich überhaupt nicht für meine Ansichten, finden Diskussionen mit mir auch langweilig, ja meinen sogar, daß sich meine Blogeinträge immer wiederholen und überhaupt. Ja, ich mußte mir sogar anhören, das hat gesessen, daß ich sie in ihrer Jugend „dauernd durch die Gegend geschleift hätte“. Sie meinten mein damaliges, familienbezogenes Reisen. Achso, wir wollten ja nicht klatschen. Also die Piraten:
Ich lehne mich also zurück (und zwar in meinen imaginären paläolibertären Lehnstuhl, liebe Kinder und Enkel....) und sage Euch folgendes:
Die Piraten sind Idioten. Warum? Nun machen wir’s kurz. Schließlich sind Leser, (und es ist ja nicht nur für meinen Filius, sondern auch Sie, sofern Sie hier mitlesen...) wenn der Text länger als die Hauptüberschrift ist schnell überfordert. Die Piraten lehnen staatliche Regulierung beim Internet ab. Hier haben sie meine volle Zustimmung. Das ist aber auch bereits das einzige „piratenhafte“ an ihnen. Klar ist der klassische Pirat gegen staatliche Bevormundung. Wären sie dabei geblieben, wären sie auch Piraten geblieben. Denn dies ist ein urlibertärer Ansatz. Doch schon bei ihrem nächsten Punkt, dem Urheberrecht, wandeln sich diese Neubewegten zu simplen Dieben. Eigentum ist nicht verhandelbar, weder das Eigentum an eines Menschen Leib, seiner Seele, seinen irdischen Gütern und schon gar nicht an seinem geistigen Eigentum. Menschen hier um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen beherrscht schon der Staat in herausragender Weise. Das Besteuern von Eigentum und eben auch geistigem Eigentums an sich ist schon schwerer Diebstahl. Hier also springen die Piraten dem Staat ins Boot.

Ich will ja nicht abstreiten, daß ich auch schon illegale Software auf meinem PC hatte und vielleicht auch noch habe. Wenn ich eine Anwendung nur ein oder zweimal brauche und dann dafür ein Vollprogramm für viele hundert Euro kaufen soll, drücke ich, ich weiß, das ist inkonsequent, die Augen zu und reite durch. Richtig ist das nicht und, glauben sie’s oder auch nicht, die meiste Software habe ich bezahlt. Charlotte Roche’s „Feuchtgebiete“ habe ich mir aus dem Netz geladen und im Zug durch die Ukraine gehört. Echt: Den Mist hätte ich mir nie gekauft. (Da hat sie keinen Verlust erlitten...)
Doch zurück zu den Piraten: Die wollen eine sozialliberale Grundrechtspartei sein. Was heißt das konkret? Umverteilung. Der einen Gruppe nehmen, der anderen Gruppe geben, sie also alimentieren. Mit anderen Worten Diebstahl. Sozialismus. Sie brauchen sich ja nur mal das linksgerichtete Wikipedia aufrufen. Wenn Sie, oder Du Filius, dort die Forderungen liest, dann weiß Du auch, daß das weitere Enteignung bedeutet. Solche Forderungen müssen bezahlt werden. Jetzt frag Dich mal von wem.

Und dann kannst Du Dir noch die menschlichen Qualitäten der Führungskader anschauen. Auch das sagt was aus. Von Pädophilen über Nazi’s bis zu Kommunisten. Hier findest Du viele Opportunisten, Denunzianten, Diebe und Verräter. Und Schmarotzer. Die besonders. Die gibt’s auch alle in den anderen Parteien. In einer neu daherkommenden sollten sie nicht so üppig vertreten sein. (Du kannst selbst googeln)
Junge, bilde Dir Dein Urteil. Meine Zusammenfassung ist: Die Piraten sind nicht der Freiheit verpflichtet wie die Freibeuter von einst. Sie sind linke, grüne, rote, braune, sozialistische Umverteiler. Sie haben sich einen neuen Mantel übergestreift und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Damit man sie nicht gleich wiedererkennt.
Sie sind abgestandener Wein in neuen Flaschen! Geh ihnen nicht auf den Leim! In 3 Jahren sind sie Geschichte, wetten daß? (Von dieser Hamburger Pfeife, mit seiner "Kometenpartei", ich habe gerade den Namen vergessen, der sitz jetzt in Südamerika oder so, redet ja auch keiner mehr)
Morgen senden wir 50 Prozent unseres Gepäck’s von Calgary nach Hause. In Südamerika wollen wir wirklich weniger schleppen.
Fotos: Copyright Rebellogblog 2012/ 1-8: Alle Fotos vom Athabasca Glacier, BC, Canada