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Wissen Sie wer Richard Schirrmann war? Nein? Ich wußte es auch nicht. Bis vor einigen Tagen. Da waren wir am Mt. Cook auf der Südinsel Neuseelands. Der Aufenthaltsraum des dortigen YHA trug den Namen Richard Schirrmann, war ihm gewidmet. Doch wer war er?
„Richard Schirrmann (* 15. Mai 1874 in Grunenfeld, Landkreis Heiligenbeil, Ostpreußen; † 14. Dezember 1961 in Grävenwiesbach, Taunus) ist der Gründer des Deutschen Jugendherbergswerkes. Richard Schirrmann wird als Sohn eines Lehrers geboren und selber Lehrer (Examen 1895). Zunächst unterrichtet er an einer Volksschule in Gelsenkirchen. Wegen des schlechten Wohnumfeldes der Schüler (Industriestadt) unternimmt er häufig Wanderungen mit seinen Schülern. Dies führt zu Problemen mit der Schulaufsicht. Man wirft ihm vor, den normalen Unterricht zu Gunsten der Wandertage zu vernachlässigen. Deshalb wird er 1903 nach Altena im Sauerland versetzt, wo er Mitglied des Sauerländischen Gebirgsvereins ist. Nach einer mehrtägigen Wanderung mit seinen Schülern, bei der die Gruppe während eines Unwetters mangels anderer Alternativen spontan ein Behelfsquartier in einer Dorfschule einrichten muss, entwickelt Schirrmann die Idee eines flächendeckenden Netzwerkes derartiger Jugendherbergen. 1910 schreibt er einen Beitrag für die Kölnische Zeitung, in dem er sein Ziele darlegt. Er bekommt bald viel Unterstützung und Spenden. 1912 wird die erste ständige Jugendherberge der Welt in der Burg Altena auf seine Initiative hin eingerichtet. Dort ist er auch der erste Herbergsvater. Nach der Gründung des Reichsjugendherbergsverbandes 1919 lässt er sich 1922 vom Schuldienst beurlauben, um sich ganz auf seine Aufgabe konzentrieren zu können. 1933-36 ist er auch Vorsitzender der International Youth Hostel Federation (IYHF). 1948 macht er sich an den Wiederaufbau des Jugendherbergswerks in Deutschland und international. Seine Arbeit wird 1952 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt. Schirrmann ist es gelungen, die Städte und Gemeinden in den Aufbau und die Finanzierung der von ihm geplanten Herbergen einzubinden und so der Organisation Kontinuität zu sichern. Generationen von Schülern und Lehrern verbinden das Erlebnis Klassenfahrt mit dem Aufenthalt in einer Jugendherberge.“ (Wikipedia)

Als Schüler habe ich mehrere Klassenreisen mitgemacht, mal an die Ostsee nach Kellenhusen, mal in die Alpen nach Obermaiselstein oder anderen Orten. Natürlich haben wir in Schullandheimen oder Jugendherbergen geschlafen. Ich habe das gehaßt. Alles roch nach alten Socken, labrigem Kakao und muffigem Bettzeug. Das Schlafen in einem Mehrbettraum fand ich schlicht zum Kotzen und ich sehnte mich nach meinem eigenen Zimmer daheim. Gestört hat mich auch das strenge Diktat der Aufsichtskräfte und der Herbergsväter. Auf einer eigenen Reise mit 17 Jahren habe ich dann in einer hochmodernen Jugendherberge in Marsaille geschlafen. Das war schon besser. Dann habe ich 45 Jahre keine derartige Einrichtung mehr von innen gesehen. Erst während unserer Weltreise bin ich wieder in die Verlegenheit gekommen in solchen Einrichtungen zu schlafen. Die Idee Schirrmanns findet sich heute weltweit, sie ist zu dem geworden, was er sich vorgestellt hat:
„Die International Youth Hostel Federation (IYHF) ist der Dachverband von mehr als 90 Jugendherbergsverbänden in über 80 Ländern, die zusammen etwa 4.500 Herbergen und Jugendhotels betreiben. Darunter ist auch das Deutsche Jugendherbergswerk. Sie agieren gemeinsam unter der Bezeichnung Hostelling International, die als Markenname geschützt ist.“ (Wikipedia)

Natürlich gibt es inzwischen auch zahlreiche unabhänge und ähnliche Einrichtungen, die nach dem selben Prinzip funktionieren. Und allen gemeinsam ist, daß dort nicht nur Jugendliche unterkommen. Damals, vor 45 Jahren, durfte man nicht älter als 27 Jahre sein. Heute gibt es keine Altersbeschränkung mehr und ich sehe viele Herrschaften im Großelternalter. Das macht mich alten Sack jünger, heißa. Nein, es riecht auch nicht mehr nach alten Socken und Kakao. Herbergsväter habe ich noch keine gesehen. Stattdessen sind einige Selbstverständlichkeiten „gelabelt“, also beschildert. „Bitte das Geschirr abwaschen, abtrocknen und wieder in das Bord stellen“ ist so ganz typisch und für die gedacht, die ohnehin unter einem Magel an sozialer Kontrolle leiden.

„Damals wie heute bemüht sich die Organisation um Service für Reisende und die Koordination der nationalen Verbände. Sie leistet einen großen Beitrag zur Jugendarbeit und zur Völkerverständigung. Der Sitz liegt heute in Welwyn Garden City bei London.“
Warum wir häufig, nicht immer, Hostels wählen? Nun, es ist preiswerter, als Familie bekommt man oft einen „Familienraum“, also einen eigenen Raum mit 4 Betten und eigenem Bad. Der Unterschied zu einem Motel oder Hotel ist da nicht so groß. Der entscheidende Vorteil ist aber eine große Gemeinschaftsküche, mit großen Kühlschränken, die das unabhängige und eigenständige Essenmachen ermöglicht. War es in Asien oft noch preiswerter essen zu gehen, ist es in den westlichen Ländern unmöglich täglich 3 Mal ein Restaurant aufzusuchen. Denn es kostet zu viel Zeit und ist viel zu teuer. Ein anderer Vorteil ist der Kontakt und der Informationsaustausch mit anderen Reisenden ähnlicher Ziele und Vorstellungen. Soweit mal eine (hoffentlich) interessante Info, wie man eine Weltreise organisieren kann.

In Queenstown haben wir Halt gemacht. Die Stadt gleicht komplett einem Schweizer Kurort. Fast alle Sportarten sind möglich: Fallschirmspringen aus 5000 m Höhe, Paragliding von einem der Berge über der Stadt, Hiking, Jetboat durch Flüsse und Schluchten, Bungyjumping aus immer größeren Höhen, ich kann das noch einige Absätze fortsetzen. Uns persönlich reizen solche überdrehten Extreme nicht so. Von den Preisen von etwa NZD 200.-/Person mal abgesehen. Aber wir haben uns ein Buch gekauft: „Lord of the Rings, Location Guide“. Der Film war ja der Knaller für Neuseeland, Peter Jackson ist Neuseeländer, und so hat er mit einer Crew von insgesamt 2500 Mann die 3 Teile hier gedreht:



„Die Herr der Ringe-Trilogie entstand größtenteils in Neuseeland. Die Studioaufnahmen fanden hauptsächlich in Wellington statt. Vor allem aber die Außenaufnahmen sorgten in Neuseeland für einen regelrechten „Herr der Ringe“-Tourismus. So entstand beispielsweise in Matamata das Dorf Hobbingen (engl. „Hobbiton“). Der Mount Ngauruhoe im Tongariro-Nationalpark kam als Schicksalsberg zu Filmehren. Weitere Drehorte waren u. a. der Whitireia und der Harcourt Park. Auch heute noch werden von Reise-Anbietern Touren zu den Drehorten angeboten. Einen wesentlichen Anteil daran hat auch das Marketing der neuseeländischen Regierung. So wurden im Laufe der Zeit beispielsweise von der neuseeländischen Post Briefmarken zum Thema „Herr der Ringe“ veröffentlicht. Zudem hat die Nationalbank von Neuseeland eine spezielle thematische Münzreihe aufgelegt. Das Buch „The Lord of the Rings Location Guidebook“ von Ian Brodie mit ausführlichen Wegbeschreibungen hat sich bereits über 200.000-mal verkauft.“ (Offline-Wikipedia von 2008 inzwischen müßten es mehr sein)

Unsere Kinder suchen die längs unserer Strecke zu findenden und begehbaren landschaftlichen Drehorte aus dem Führer heraus. So wuchten wir uns in den nächsten Tagen immer wieder aus unserem Nissan und erwandern die phantastische Szenerie. Auch so kann man ein Land näher kennen lernen. Wir verstauchen uns im Zweifelsfall lieber einen Knöchel bei der Landschafterkundung als bei einem Bungy-Sprung.
Das Internet ist so beschissen, wir fahren deshalb extra 20km nach Arrowtown. Doch auch da ist nix. Schließlich kaufen wir im Hostel mal eine Einheit für NZD 10.-. Der reicht 1 Stunde, ist aber langsam. Furchtbar!

Dann fahren wir auf Neuseelands höchster Paßstrasse nach Wanaka. Wieder ein zauberhafter, kleinerer Ort an einem schönen See. Auch hier ist alles Mögliche möglich. Wir checken atwas früher ein, denn morgen soll es zum Fox- und später zum Franz-Josef-Gletscher gehen. Es wird eine Tagesfahrt. Machen wir schon mal eine Zwischenbilanz: Neuseeland ist das ultimative Naturerlebnis. Es ist ideal für Camper, Autofahrer, Wanderer, Radler, Hiker und Hitchhiker und alle Outdoorsportaktivisten. Nach jeder Kurve verfällt man in ein „Ah“ oder „Oh“. Soviel Schönheit macht fast besoffen. Es ist viel preiswerter als Australien. Und wenn man von dem schwachen Wasserdruck unter den Duschen, den getrennten Kalt- und Warmwasserhähnen und dem saublöden und teuren Internet mal absieht, können wir dem Land als Reiseland 5 von 5 möglichen Sternen geben. Neuseeland ist wundervoll. Leider habe ich nicht genug Kraft es näher an Europa zu schieben. Nein, der neuseeländische Tourismusverband bezahlt diese Aussage nicht:
„Machen Sie mal Urlaub in Neuseeland!“

Und weil das Internet so schlecht ist und wir nichts gefunden haben, wo wir obigen Beitrag abladen konnten geht’s hier gleich weiter. Wir sind von Wanaka nach Norden gefahren, die Westküstenstrasse hoch. Zauberhaft, einfach zauberhaft. Doch es ist ozeanisch feucht und es regnet. Die Vegetation ist üppig. Tropisch üppig. Schließlich erreichen wir den Fox Glacier. Bei dem Regen haben wir keine Lust zu wandern und fahren gleich durch zum Franz-Josef-Gletscher. Hier checken wir ein, springen wieder ins Auto und fahren zum Ausgangspunkt einer Gletscherwanderung. Nun laufen wir im Fluß- bzw. Gletscherbett dem Gletschermund entgegen. Das dauert eine gute Stunde. Es regnet etwas, die Wolken hängen tief, die Szenerie ist dramatisch. Dann sind wir nur noch etwa 100m vom Gletschermund entfernt. Weitergehen ist strengstens verboten, erst 2009 sind hier Touristen unter abbrechenden Eismassen begraben worden. Man sollte sich an diese Verbote halten, es ist es nicht wert für ein noch dramatischeres Foto sein Leben zu riskieren.

„Der Franz-Josef Gletscher ( Englisch: Franz Josef Glacier, Maori: Ka Roimata o Hinehukatere) ist ein Gletscher im Westland-Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands. Er wurde 1865 von dem Deutschen Entdecker Julius von Haast nach Franz Josef I. von Österreich benannt. Wie sein südlicher Nachbar, der Fox-Gletscher wird er aus den Neuseeländische Alpen (Southern Alps) gespeist, seine Abflüsse fließen über den Waiho River in die Tasmanische See. .... Zur Zeit ist der Gletscher wieder am Anwachsen, was auf die globale Erwärmung zurückzuführen ist. Der Gletscher fließt aufgrund der höheren Temperatur schneller und wächst so nach unten hin noch weiter ins Tal. Ebenso wie der Fox-Gletscher war auch der Franz-Josef-Gletscher so groß, dass er direkt ins Meer gekalbt hatte. Auch heute ist er noch gemeinsam mit dem Fox-Gletscher der niedrigste Gletscher über Meereshöhe (ca. 200 Meter).“

Leicht durchnäßt kehren wir ins Hostel zurück. Ja, die Kinder wandern zu Gletschern eine einmalige Ergänzung zu einem trockenen Lehrbuch. Genau das ist ein Sinn der Reise. Morgen wollen wir weiter nach Greymouth. Die Strasse wird wieder toll sein. Kurven und Kehren, aber man schafft nicht viel auf solchen Strecken.
Dafür ist jeder Kilometer ein Erlebnis.
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Fotos: Copyright Rebellogblog 2012/ 1: Haustransport, so zieht man halt um. Man nimmt das Haus mit. 2: Hostelgemeinschaftsküche mit meinem Weib, irgendwo in Neuseeland. 3 und 4: Neuseeländische Landschaft, nach jeder Kurve ein neues Bild. 5: Wanaka tut was für den Nachwuchs. Eine vorbildliche Anlage für Skater, Biker, und Rollerblader. 6, 7, 8: Im Milford Sound. 9: Oldtimer gibt’s hier reichlich. 10: Die „Milford Wanderer“, ein Motorsegler zum Verlieben. 11: Landschaft zum Sattsehen. 12: Neuseelands höchste Hängebrücke. 13: Flußkurven so reichlich wie Strassenkurven. 14: Pancake Rocks
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