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Also sind wir nach Bodie gefahren. Das sind 2,5 Stunden von South Lake Tahoe. Man kommt aus Kalifornien, fährt über die Berge nach Nevada und kommt dann wieder nach Kalifornien. Allein die Zufahrtsstraße nach Bodie ist 17 Meilen lang, die letzten 3 Meilen unbefestigt. Nichts hat sich geändert, alles noch wie vor 19 Jahren. Nur das Auto vor der Tankstelle haben sie wegen des Schnees entfernt. Es wird nur im Sommer aufgestellt, weil es ein Lederverdeck hat. Insgesamt ist Bodie ein tolles Eintauchen in die Vergangenheit und besonders Kinder und Jugendliche machen das mit Freude. Diese Erfahrung hatte ich schon damals und auch jetzt wieder sind die Gören voll dabei.
Anschließend besuchen wir auch den Mono Lake. Der sah damals wirklich schrecklich aus. Inzwischen scheint er sich zu erholen und der Wasserspiegel steigt wieder. In South Tufa sind jedenfalls weniger Quellkalktürme zu sehen als damals.


Übrigens: Inzwischen sind wir auch „Spezialisten“ für Reiseführer. Lonely Planet ist immer gut, denn er beschreibt auch ausführlich die Reiseorte und Sehenswürdigkeiten. Wobei die englischsprachigen besser sind als die deutschen Lonely Planets. Frommer‘s dagegen kann man vergessen, er beschreibt vorallem wie die Hotels ausgestattet sind. Wer braucht das?
Inzwischen ist es 16 Uhr und wir haben seit Stunden nichts gegessen. Der nächste Ort Bridgeport gibt da nicht viel her, aber 2 Burger Barns sind vorhanden. Gerade parken wir dort, also jemand an unsere Scheibe klopft.

Der Mann fragt, „ob ich einen Kompressor habe, er hätte einen platten Reifen“. „Nee“, sage ich, „ich habe einen Mietwagen und nichts dabei“. „Ja, sein Auto sei auch ein Mietwagen“. Wir merken, daß sein Englisch nicht so gut ist und fragen was seine Muttersprache ist. „Russisch“, sagt er. Also spricht meine Frau fortan mit ihm russisch. Und das DING: Sie kennt ihn und liest seine Blogs. Er ist ein Blogger und Reisejournalist aus Moskau. General Motors Moskau sponsort seine zweimonatige Reise durch die USA. Auf deren Veranlassung hat General Motors Detroit ihm kostenlos einen Wagen gestellt. Er schreibt auf zwei Blogs (hier und hier) und für eine Autozeitschrift. Wir laden ihn in unser Auto und fahren zurück zu seinem Chevrolet Malibu in dem seine Freundin wartet. Ich bedeute ihm alles Gepäck auszuladen und in die Reserveradmulde zu schauen. Doch denkste. Da ist kein Reserverad, da ist nichts als ein handelsüblicher Kompressor für Autobatteriebetrieb. Den schließen wir also an und merken gleich, daß Loch ist ziemlich groß.

Aus meiner Sicht ist das alles eine Frechheit. Früher hatte man, als Reserverad, einen richtigen fünften Reifen auf Felge. Dann fing das Sparen an und die Hersteller gaben ein qualitätsreduziertes Rad (bis 8o km/h und bis zur nächsten Servicestation) dem Auto dazu. Und nun, siehe Chevrolet Malibu, legen sie nur noch einen Billigkompressor bei. Mir ist das eine Lehre. Ich schaue künftig gleich nach, ob wenigstens ein Reserverad dabei ist. Sonst miete (oder kaufe) ich den Wagen gar nicht erst.
Die nächsten 3 Stunden verbringen wir, bzw. er, mit telefonieren und dem Suchen von Lösungen. Bridgeport hat, man höre und staune, tatsächlich keine Reparaturwerkstatt. (Für die USA wirklich unüblich) Ausserdem ist Sonntagabend. Die nächste Station nach Norden wie nach Süden ist mindestens 30 Meilen entfernt. Die Road Assistence fühlt sich nicht zuständig, weil der Wagen dort nicht gelistet ist. (Er ist ja von GM Detroit gesponsert.)


Es gilt also zu übernachten und dann am nächsten Tag den Abschleppwagen zu rufen. Für den Russen eine erhebliche finanzielle Belastung. Doch wir bekommen einen Tipp. Und so geht dann die Geschichte aus:
Wir fahren zum örtlichen Gefängnis, gleich hinter dem Sherriff’s Office. (Für diesen Winzigort mit nur 575 Einwohnern ein recht ordentlicher Knast...) Ein Deputy hat Dienst. Der Russe und meine Frau schildern die Situation. „Die Hotels sind zu teuer, das frißt die Reisekasse auf. Der Towtruck wird $ 200 Dollar kosten. Usw.usw.“
Jetzt vergessen Sie mal alles, was Sie über amerikanische Polizisten gehört haben und stellen Sie sich bitte die Situation in Deutschland vor.

Der Deputy sagt: „Der Chef ist nicht da. Von Notcoupons für Motels weiß ich nichts. Aber, was ich Ihnen anbieten kann ist eine Nacht bei uns im Knast! Umsonst! Es ist der Besucherraum, Sie bekommen frische Bettwäsche. Morgen früh kommen dann die anderen Deputy’s, wir haben Wagenheber und Werkzeug und irgendwie bekommen wir Ihren Reifen auch in Lee Vining.“ (Der nächste Ort)

Natürlich nehmen die Beiden das Angebot an. Der Deputy (noch hinter einer Panzerglasscheibe) freut sich auf unterhaltsame Gespräche. Und die Beiden sind froh über eine so glückliche und preiswerte Lösung. Wir verabschieden uns herzlich und fahren zurück nach Lake Tahoe. Gleich am nächsten Morgen checken wir seinen Blog und sehe das Foto, wie er auf dem Stockbett im Knast liegt. Wenn Sie auf der Seite etwas nach unten scrollen, dann sehen Sie auch uns beim Helfen und den Knast.
Wundervoll. Solche Erlebnisse steigern noch einmal den Reisewert. Wir müssen heute den Mietwagen verlängern.
Wohin wir dann fahren? Verraten wir morgen.
Fotos: Copyright Rebellogblog 2012/ 1 bis 5: Bodie Ghosttown in Kalifornien, 6 und 7: Mono Lake, 8: Das einzige respektable Gebäude in Bridgeport, 9: Blogger Alexander Belenkiy und wir, seine Freundin macht das Foto. (Copyright Alexander Belenkiy)
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