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Jordanien 2009
Wir fahren zum Busbahnhof von Tel Aviv. Es soll der größte der Welt sein, und tatsächlich ist die Anzahl der, in alle Richtungen fahrenden, Busse beträchtlich. Das Gebäude selbst ist hässlich und schmutzig, wie auch die ganze Bahnhofsgegend. Zahllose Schwarze und Kolumbianer bevölkern, oft illegal die Gegend. Ein Gewinn ist das nicht, - und, nach Auskunft eines Taxifahrers sind auch hier die (diesmal israelischen) Gutmenschen für den Niedergang verantwortlich. Wer mal da ist (als Tourist gekommen), wird nicht nach Hause geschickt. Dass Gebäude selbst ist von so hässlicher Zweckmäßigkeit, dass man kaum glauben will, das es so ausdrucksvolle jüdische Architekten gibt, wie beispielsweise Daniel Libeskind. Wir nehmen den Linienbus nach Eilat, vorbei an Beer Sheeba und Dimona (Atomkraftwerk) durch die Negev. Die Fahrt dauert 6 Stunden, mit im Bus sind junge Soldaten, auch weibliche, mit ihrer Waffe. Der Bus macht zweimal Stop und man kann das WC aufsuchen. Die Waffe ist auch beim Pinkeln dabei. Die Negev selbst erinnert mich teilweise stark an die Badlands von South Dakota, sowohl in der Formation des Gesteins, wie auch in der gelblichen Farbe. Die Höhenunterschiede zu Eilat hin sind gewaltig und gelegentlich wundere ich mich, dass nicht mehr Autos in die Abgründe stürzen. Eines aber sehen wir unten im Tal kopfüber liegen. In Eilat suchen wir gleich das Ägyptische Konsulat auf und 30 Minuten später haben wir das Einreisevisum für Ägypten, welches uns der ägyptische Beamte im Konsulat in Tel Aviv verweigert hatte. Man muss eben hartnäckig sein und die Angaben und Aussagen von Subalternen, insbesondere bei Grenzfragen, mehrfach überprüfen. Wir heben uns das Erlebnis Eilat für später auf, entscheiden uns, nun wir das Visa sicher haben, zunächst in der Reihenfolge gegen Ägypten und fahren umgehend erstmal zur jordanischen Grenze. Als wir etwas nach 16 Uhr die Grenze zu Fuß überqueren sind wir weit und breit die einzigen Reisenden im untergehenden Sonnenlicht. Ein etwas merkwürdiges Bild: Vater, Mutter und 2 Kinder im Niemandsland zwischen Israel und Jordanien. In Jordanien empfängt man uns freundlich und mit der oft wiederholten Begrüßungsformel „Welcome to Jordan“. Nach der letzten Passkontrolle stehen wir auf einem großen Parkplatz und die Taxifahrer stürzen auf uns zu. Aber wir sind vorbereitet, wissen durch das Internet, wieviel ein Taxi kosten darf und fahren schließlich nach Aqaba, also in die jordanische Hafenstadt. Der Golf von Akaba ist insofern interessant, als in seiner nördlichsten Bucht die Länder Ägypten, Israel und Jordanien in Sichtweite zusammenkommen. Von der ägyptischen zur jordanischen Grenze, quer durch das israelische Eilat, ist es, mit dem Taxi, höchsten 30 Minuten. Zunächst wollen wir nach Petra, das sind noch mal gut 2 Stunden Fahrt mit dem Taxi. Die Jordanier bringen eine funktionierende Buslinie nicht zustande. Wir heuern den Bruder unseres Taxifahrers an, ein Glücksgriff, wie sich später herausstellt. Majdi, so heißt er, bringt uns nach Petra und schlägt auch ein, unseren Bedürfnissen und Erwartungen gerechtes Hotel vor. Das Abendbüffet ist im Preis eingeschlossen, aber es gibt eine väterliche Anordnung: Auf Salate und kalte Speisen aller Art wird in den nächsten Wochen verzichtet. Wir wollen ja nicht dauernd auf dem Klo hängen. Im Hotel lernen wir interessante Menschen kennen, eine Frau kennt sogar meinen Onkel in Berlin. Am nächsten Tag sind wir die Einzigen, die zum Eingang des Petra Canyons laufen und wir werden auch die Einzigen sein, nicht nur hier, sondern wieder während der ganzen Reiserei, die abseits des großen Massentourismus ihre Nischen und Einsamkeiten finden. Denn der Bus- und Gruppentourismus ist unerträglich. Alle rasen in vorgegebener Zeit auf einer Hauptallee zu einem bestimmten Punkt, knipsen mit ihren Billigknipsen oder Handys in jede Himmelsrichtung und zurück geht es. Man will ja spätestens um 6 wieder am Büffet sein. In Jordanien übernachten ohnehin die Wenigsten, meistens sind es Tagestouristen aus Eilat. Keiner macht sich die Mühe auch nur 5 m abseits zu treten, hinter einen Felsvorsprung zu schauen, selbst etwas zu erforschen. So werden sie denn in den Canyon geschaufelt, tausende von Bustouristen, hier im Muslimland mit knappsten Höschen aus denen das weiße Fleisch quillt, die Beduinen fallen fast von den Kamelen. Dieses Verhalten haben wir schon oft gesehen und wir werden es in den nächsten Wochen noch genug beobachten können, ob in Gizeh oder Luxor. Petra ist großartig. Der Canyon selbst erinnert zeitweise an den Antelope-Canyon in Arizona. Die Bauten und in den Stein gemeißelten Fassaden sind Weltkulturerbe. Für die Jordanier, die nichts zu diesem großartigen Werk beigetragen haben, ist es eine bedeutende Einnahmequelle, und gelegentlich ist die Handelswut der Souvenirverkäufer fast unerträglich. Aber sie sind Beduinen, wurden von der Regierung aus dem Canyon zwangsausgesiedelt und in den nahe gelegenen Wadis wieder angesiedelt und sie leben vom Tourismus, bzw. davon, Touristen übers Ohr zu hauen. Aber die Leute kaufen, blöd wie sie sind, und sehen nicht, dass der Tand nicht hier, sondern in China als Massenware gemacht wird. Ich freunde mich mit einer alten Beduinin an. Rajeka ist ihr Name. Sie bietet mir Tee an, aber ich lehne dankend ab, mein Magen….Sie verstehen. Dann erzählt sie von ihren 7 Kindern und, dass sie als 4. verlassene Frau ihres Mannes durchkommen muss. Ihr Sohn Sacher erzählt mir, dass Mutter der Boss sei. Er selbst, gut aussehend und mit Glutaugen die jedes (blöde) westliche Mädchen schwach werden lassen, ist gestern vom Esel gefallen. Seine Hämatome sind beeindruckend und machen auch mir klar, dass das Auf- und Ab auf Eseln auf den Ed-Deir nicht so ohne ist. Die Beduinen laufen 6-7 Mal am Tag mit den Touristen auf dem Esel hinauf, etwa 900 Stufen, da bleibt der Beduine schlank und ich bewundere die Esel, die die verfetteten Touristen da hochtragen. Doch dann bekomme ich die kalte Wut: Eine weiße britische Touristin herrscht einen Beduinen an „don’t hit the donkey!“ und will ihm, der das seit Jahren macht und mit seinem Donkey groß geworden ist, der sein Lebensunterhalt ist, ihre verblödete PETA-Auffassung aufdrängen. Er schlägt den Esel ja nicht, er bringt ihn mit kleinen Klapsen in die richtige Richtung. Da wird mir wieder einmal klar, mit welcher Anmaßung sich Westler in fremde Lebensweisen einmischen. Und wie auch wir, umgekehrt, ein Recht darauf haben die Anmaßungen zugewanderter Migranten zurückzuweisen. So wie der Beduine, der sichtbar sauer, sie fragt, ob sie, die britische Touristin, ihm erklären wolle, wie er seinen Job zu machen habe. Weil wir auf allen Touristenschnickschnack, wie Kamelreiten etc. verzichten, haben wir genug Zeit auch seltenere Einblicke zu gewinnen. Wir sind noch da, als schon die friedliche Stille einzieht, die diesen Ort so schön macht, wenn erst die Busse abgefahren sind. Dennoch, die Hitze in der Sonne war lähmend, unsere 2 Liter Wasser sind verbraucht, und so nehmen wir nach 8 Stunden doch ziemlich erschossen ein Taxi zum Hotel. Durch Zufall treffen wir unseren jordanischen Taxifahrer Majdi wieder. Er ist auch in Petra, mit neuen Gästen, die er hier abgesetzt hat. Wir engagieren ihn als unseren Fahrer für einen ganzen Tag, der Preis den er uns macht ist akzeptabel. Und so lernen wir, mit seiner Hilfe, ganz Südjordanien kennen. Der Vorteil ihn engagiert zu haben ist, neben der Bequemlichkeit des individuellen Fahrens, auch die Tatsache, dass ich ihm sagen kann wo er anhalten soll. Zunächst geht es auf der Kingsroad nach Norden. Wir besuchen al-Schawbak, eine Burganlage, die Balduin der I. von Jerusalem im Jahre 1115 erbaute. Wir sind fast allein und klettern in den verlassenen Burgverliesen herum. Später kommt eine kleine deutsche bildungsbeflissene Rentnergruppe, die sich das von ihrem Führer anhört, was wir zuvor gelesen haben. Der Mann erzählt richtig. Die Souvenirhändler verschonen uns, wohl weil wir in Begleitung von Majdi sind. Weiter geht es durch die Landschaft, nach Tafilah. Hier folgen wir später einer Einladung von Majdi zum Tee in sein Elternhaus. Es wird ein Erlebnis für uns. Majdi’s Vater war 25 Jahre beim Militär und ist jetzt Dorfältester. Er ist ein Hadschi, seine Frau ist tief verschleiert. Auch sie war in Mekka. Sie hält gehörigen Abstand zu uns, der Vater aber lächelt uns oft an. Wir sitzen in einer Bruchbude von Wohnzimmer auf Sofakissen auf dem Boden und schlürfen heißen, süßen Tee. Majdi hat 8 Geschwister, 3 von ihnen wohnen im Nachbarhaus, 2 Brüder sind auch Taxifahrer. Die ganze Atmosphäre ist sehr ländlich, auch seine Schwester sitzt in einem dunklen Raum auf dem Boden. Die Mutter hat Tätowierungen im Gesicht, später erfahren wir, dass es keine religiösen sind, sondern Zeichen der Landbevölkerung. Das einzige Mobiliar ist ein Fernseher aus den 60iger Jahren. Das Leben hier ist nicht einfach, draußen gibt es fast kein Grün, alles ist gelb, steinig und staubig. Doch noch ist es nicht soweit. Wir fahren über Karak nach Norden und folgen der Strasse durch den Wadi I Mujib Canyon, steil hinein und steil wieder hinauf. Unten im Tal liegt das nationale Wasserreservoir. Es ist ziemlich heiß, dennoch haben wir gute Aussicht. Majdi hält oft an und ich kann meine Fotos machen. In Madaba machen wir Pause und besuchen die St. Georgskirche. Die griechisch-orthodoxe Kirche enthält das berühmte Mosaik von Madaba, das eine Landkarte Palästinas aus dem 6. Jahrhundert zeigt. Außerdem kauf ich mir einen neuen Gürtel. Dazu wandern wir durch die Strassen um den geeigneten Laden zu finden. Alle Frauen sind tief verschleiert. Meine Frau fühlt sich unwohl, die herumlungernden Männer ziehen sie, weil den unverschleierten Anblick nicht gewohnt, mit den Augen fast aus. Wir sind in der tiefsten Provinz. Majdi hat sein Nickerchen gehalten und weiter geht’s zum Mt. Nebo. Wir haben es besser als Moses, wir können das gelobte Land sehen. Auch sterben müssen wir hier nicht, wir sind putzmunter. Das ist auch eine Pilgergruppe, die wir zwar nicht sehen, aber dafür hören können. In einem, dem Franziskanerorden gehörenden Andachtssaal singen sie voller Inbrunst. Wir singen nicht, aber wir lassen uns viel Zeit. Der Ausblick ist auch wirklich umwerfend. Ich nehme mir sogar die Zeit in Ruhe Truthähne zu fotografieren. Doch dann fahren wir hinunter zum Toten Meer. Hier, wie überall in Jordanien, müssen wir oft an gut gesicherten Polizei-Check-Points halten. Die Polizisten sind, vielleicht auch weil sie in uns Touristen erkennen, sachlich. Majdi hat in seiner Heckscheibe ein halbdurchsichtiges, die Scheibe abdeckendes Sonnenschutztransparent. Es ist mit dem Bild des Königs, wie er zielt und schießt, bedruckt. Im Hintergrund sind die jordanische und amerikanische Flagge zu erkennen. Solche Sonnenschutztransparente sind in Deutschland auch verboten, weil nicht mit dem Segen des TÜV versehen. Auch hier sieht man sie offensichtlich nicht gerne, auch wenn es keinen TÜV gibt, und ein Polizist moniert das Transparent. „Es ist das Bild des Königs!“ beharrt Majdi. Dagegen kann der Polizist nichts sagen, täte er es wäre er gegen den König. Also bleibt das Transparent und wir fahren weiter. Ich stelle mir vor wie sich so ein Transparent mit Frau Merkel in der Heckscheibe macht… Da, wo am Ufer des Toten Meeres Hotelanlagen sind ist der Strand aufgeräumt und sauber. Doch dann kommen wir an einen „Public Beach“. Es ist der dreckigste Strand den ich je in meinem Leben sah. Tausend von Plastikflaschen, Tonnen von stinkendem Müll. Milliarden von Fliegen. Wäre das Tote Meer nicht bereits tot, hier würde es gerade sterben. Doch in all dem Modder baden ungerührt junge Jordanier. Wir ergreifen die Flucht und drehen uns nicht noch einmal um. Wir werden das Tote Meer auf der israelischen Seite besuchen. Da wird es sauber sein. Auch Lots Weib sollte sich nicht umdrehen. Sie aber tat es: „Und sein (Lot’s) Weib sah hinter sich und ward zur Salzsäule“. (1. Moses 19). So steht sie auch heute noch da. Ungerührt und hoch über der Strasse. Nun hat Mjadi die Idee uns noch mal in das Haus seiner Eltern einzuladen. Es ist ein großer Umweg zurück nach Tafilah, aber wir nehmen an. Immerhin haben die Eltern auch ein Handy und als wir kommen gibt es Huhn, Reis und Gemüse. Alles serviert auf einer Blechplatte und jeder bekommt einen Löffel. Die Gastfreundschaft ist enorm und Majdi gesteht auf Nachfrage, dass es das erste Mal ist, dass er Kunden in sein Elternhaus eingeladen hat. So wie die Dinge liegen ist das absolut glaubwürdig. Wir sitzen also auf dem Boden und Löffeln aus der auf dem Boden stehenden Platte. Mir fällt das schwer, meine Knochen sind den Schneidersitz nicht gewohnt. Die Kinder aber finden sich schnell in die Situation. So wird es eine netter Abend. Ein Abend in einer streng muslimischen Familie. Und ich, der ich den Islam ablehne, kann nicht umhin es mit Geert Wilders zu halten: Wir sind nicht gegen den einzelnen Muslim, aber gegen den Islam. Die nächsten Wochen werden uns in dieser Haltung bestärken. Vom Huhn bleibt soviel übrig, das Majdi’s Mutter noch an Söhne im Nachbarhaus verteilen und auch Majdi etwas mit auf den Weg geben kann. Majdi hat 3 kleine Töchter. Es wird spät in dieser Nacht und erstmals hören wir nicht um 5 in der Frühe den Muezzin durch die Nacht krähen. So laut er auch ruft, unsere Müdigkeit durchbricht er nicht. Hier, in diesem muslimischen Land kann ich es akzeptieren, ja später wird es mir zur Gewohnheit ihn 5 Mal am Tag rufen zu hören. Aber in einem bayerischen Dorf, in einem Düsseldorfer oder Berliner Stadtteil will ich ihn nicht hören. Europa, Deutschland ist keine Brache, die auf islamische Eroberung wartet. Die phallusartigen Minarette mögen uns erspart bleiben. Jedenfalls solange, solange nicht muslimische Frauen mit den gleichen Freiheiten gesegnet sind wie unsere. Inschallah!
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