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Die
Donauwellen sind braun. Blau sind hier allenfalls
einige harmlose Looser, die liegen in den Parkanlagen oder den
U-Bahneingängen. Gehört halt zu ner Großstadt dazu und stört uns
nicht sonderlich. Schlimmer wäre das Gefühl, dass der ungarische
Staat alle auf Karibikurlaub schickt. Auf Kosten des ungarischen
Steuerzahlers. Obwohl, --- es wäre ja nicht unser Geld.
Unseres geben wir lieber für Konzertkarten aus.
Weil wir letzte Woche schon einen netten Abend mit dem
Jazzpianisten Kálmán
Oláh hatten, gehen wir
diese Woche zum Konzert seiner Frau
Oláhné Kovács Anna.
Die spielt im Konzertsaal des Lisztmuseums, nicht
zu verwechseln mit der Liszt-Academy. Der
Eintritt ist preiswert, das Konzert ist eine Matinee, es ist
sonnabends 11 Uhr Morgens. Der Saal, er hat die größre einer
Aula, ist ausverkauft. An der Rückwand lehnen etliche Menschen,
die keine Sitze mehr bekommen haben. Frau Oláhné
spielt mit Balázsné Szatmári Éva, offensichtlich
auch eine bekannten Pianistin, vierhändig.
Mich begeistert die Auswahl der Stücke. Eine Dame erklärt vorher
die Stücke auf Ungarisch, was wir nicht verstehen. Ich nehme mir
vor, die ergänzenden Informationen später im Internet nachzulesen.
Sie spielen:
-
W.A. Mozart: Sonata for Piano
Four-Hands, K.358 / 186c
-
F. Schubert: Military March No.
1 in D Major, D733
-
A. Dvořák: Slawische Tänze Opus
46, Nr. 1 in C-Dur, Presto (Furiant), Nr. 2 in e-Moll,
Allegretto scherzando (Dumka), Nr. 8 in g-Moll, Presto (Furiant)
-
M. Ravel: Pavane pour une
infante défunte
-
Ránki György: Két bors ökröcske
- mese zenével, km. Oláh Krisztián
Die
Damen spielen großartig. Es muss nicht immer Barenboim sein, denke
ich. Was gibt es doch für engagierte Leute, für talentierte
Musiker. In einem Stück des Komponisten liest
der Sohn der Oláh’s,
Kristián,
(Alexanders Klassenkamerad), ein Märchen vor. Wir verstehen
nichts, und dennoch – die musikalische Untermalung allein spricht
Bände. Auch unseren Kindern gefällt das sehr, es ist das erste
Mal, dass sie vierhändiges Spiel erleben.
Besonders gefallen mir auch die slawischen Tänze von
Dvořák. Man hört sie ja ganz überwiegend
symphonisch-konzertant und selten in der nur Pianoversion.
Danach sind
wir in einer ungarischen Familie zu Kaffee und
Kuchen eingeladen. Die wohnen in Buda, also auf der anderen Seite.
Das Haus ist im Bauhausstil und die Wohnung
besticht durch verschiebbare Wände und Fenster. Die Kinderzimmer
der beiden Kinder sind sehr groß, das Wohnzimmer kann durch
Falttüren verdoppelt werden. Immer an Architektur interessiert,
schaue ich mir alles genau an. Nach den Wochen in einem 1900er
Mietshaus, das mir auch sehr gut gefällt, gefallen mir hier die
lichten Räume. Warum nur bauen die Architekten unserer
Tage so ekelhaftes Zeug zusammen?
Betonständerbauweise mit vorgehängten Alu-Glasfassaden.
Weltweit uniform und langweilig, anfällig und nur mit Klimaanlagen
erträglich. Ich bin so frei und behaupte: Ich könnte
vieles besser entwerfen. (Natürlich nicht die Statik
berechnen)

Nun
kann und soll man Kinder nicht nur mit Klassik
füttern. Also gehen wir am Sonntag, nach einem Kindergeburtstag,
noch mal in den
ungarischen Staatszirkus.
Hier gibt es diesmal eine
Shaolin-Kung-Fu-show. (Rebellog)
Fast mein ganzes Leben haben mir
diese Kung-Fu-Filme nichts gesagt und ich habe
sie mir nie angeschaut. Doch, vor etwa einem Jahr, hat Alexander
mich mit Jet Li und Jackie Chan
bekannt gemacht. Zwangsweise. Danach war ich etliche Wochen im
Kung-Fu-Film-Fieber und habe die wesentlichen Filme
gesehen. Deshalb freue ich mich nun auch. Mein Frau ist mir ja,
was Einkauf und Organisation betrifft, um Meilen voraus. Also
haben wir tolle Plätze. Natürlich ist es letztlich eine
kommerzielle Show, dennoch, die Körperbeherrschung der
jungen Chinesen
ist beeindruckend. Später lese ich im
Internet, dass 20 km vor Budapest tatsächlich ein Shaolinkloster
ist und dort
junge Kämpfer
ausgebildet werden. Da wollen wir dann auch
noch mal hin. Insgesamt ein Superwochenende mit hoher
Ereignisdichte.
So ein
Wochenende kann müde machen. Also mach ich das, was ich gerne
mache, wo ich nur begrenzt denken muss und wo ich mit Photoshop
spielen kann. Ich entwerfe einen weiteren Buchdeckel zu meiner
fiktiven
Fatwa Verlag Reihe.
Da ich nicht zum Karikaturisten tauge, meine
Form des Protestes, Ausdrucks und der Satire. |