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Jeju-Island

Der Hyundai Sonata Y20 gefällt uns, (neulich
schrieb ich versehentlich Honda) ein komfortables, leises Auto,
welches sich gut fährt. Wir fahren hunderte von Kilometern im
Süden Südkoreas. Natürlich steigen wir auch aus. Wir lernen Regionen
kennen, in denen bestimmt noch nie oder nur ganz selten ein
Tourist war. Korenaer mit denen ich sprach, sofern das in
Ausnahmen möglich ist, reisen jedenfalls nicht so viel im eigenen
Land. Sie haben ja auch deutlich weniger Urlaub. Es ist oft wie
in Amerika: Der Urlaub ist Freitag und Sonnabend und Sonntag geht es
bereits wieder zurück. Entsprechend ist auch die Tourismusindustrie:
Schnell und billig, futtern und vergnügen. Andererseits sind
wir schon erstaunt wie viele Koreaner mit ihren Kindern an diesen
Wochenenden die Museen und nationalen Heiligtümer besuchen. Es gibt
sehr viele Kinder, vielleicht aber sehen wir auch nur so viele, weil
Ferien sind. Wir sehen übrigens viele Boy’s- und Girl’s-Schulen,
wie weit auch koedukative Schulen verbreitet sind vermag ich nicht
zu beurteilen – noch nicht. Jedenfalls tragen alle Kinder
Schuluniformen. Update: Ich treffe eine Lehrerin, Grad 5, und
die sagt, daß in Elementary Schools, die Kinder nicht nach
Geschlechtern getrennt sind.

In meinem Autoradio gibt es 6 -7 Sender. Ein Sender
ist in englischer Sprache. Auf 2 Sendern läuft viel klassische
Musik. Es ist schon komisch durch koreanische Reisfelder zu
fahren und die Gregorianischen Gesänge oder Beethoven’s Neunte
Sinfonie zu hören. Insgesamt macht Korea einen sehr sauberen,
jungen und modernen Eindruck. Alle Städte die wir besucht haben,
oder wo wir durchgefahren sind, es waren und sind doch insgesamt
sehr viele, haben gepflegte öffentliche Bereiche wo für die
Bürger richtig Geld ausgegeben wurde. Moderne Skupturen,
Parkanlagen, Springbrunnen, Sonnensegel, Ruhezonen. Was auch
auffällt: Alles wurde in hoher Qualität gefertigt:
Kilometerlange Geländer aus Edelstahl, hochwertige Sitzmöbel,
aufwendige Beleuchtungen und Laternen. Kein Billigmist, man denkt
ganz offensichtlich langfristig. Natürlich hält sich auch der
Vandalismus in Grenzen, viel beschädigtes oder zerstörtes haben wir
nicht gesehen.

Dagegen ist die Videoüberwachung des Autofahrers
nahezu nahtlos. Ich frage mich, welcher technologische
Aufwand war nötig, wieviel zehntausende Kilometer von Kabeln
wurden verlegt, wieviel tausende Kameras wurden installiert um so
lückenlos den Verkehr zu überwachen. Jede Kreuzung wird von
mindestens 8 Kameras, oft weit mehr, beobachtet, ja selbst auf
freier Strecke sind alle paar hundert Meter Masten mit Kameras. Was
ich inzwischen auch herausgefunden habe: Unter dem Rückspiegel
meines Honda ist eine Kamera eingebaut die die gesamte Fahrt
mitfilmt. An der Seite ist ein Schlitz für eine SD-Card. Steige
ich ein und starte, sagt mir eine freundliche Stimme: „Geoposition
detected – current Videosaving is beeing recorded!“ Fahre ich
durch ein Schlagloch sagt die „Dame“: „Shock detected!“ Well,
es dient ja meiner Sicherheit. Im Falle eines Unfalls, sofern ich
unschuldig bin, kann ich (bzw. „das System“) das easy beweisen. Bin
ich schuldig helfen allerdings keinerlei Ausreden...Was allerdings
wirklich nervt sind die langen Ampelphasen. Ewig wartet man,
sowohl als Fußgänger, als auch als Autofahrer. Das liegt daran, daß
man den Verkehrsteilnehmern nichts zutraut. Zum Beispiel
Linksabbiegen. Jede Richtung, also etwa 10, fahren isoliert, damit
man sich nicht ins Gehege kommt. Das dauert. Zeigt also die Ampel in
meiner Richtung „Geradeaus grün“, heißt das nicht, daß ich fahren
kann. Ich muß warten bis auch „Links abbiegen grün“ erscheint. Dabei
wäre es ja einfach eine freie Lücke im Gegenverkehr nutzen zu
können. Also braucht man viel Geduld.
Wie auch immer, das Autobahn und Straßensystem mit
dem sich Korea ausgestattet hat ist Spitze, umwerfend gut,
teilweise besser als in Deutschland. Alles aus eigener Kraft, nix
mit EU und den unterstützenden Steuern befreundeter Staaten.
Hallo Ungarn, hallo Polen, hallo liebe östliche Nachbarn. Weder an
den tollen U-Bahnen, Brücken oder E-Werken steht ein Schild „gebaut
mit Hilfe der ....sagen wir mal Chinesen, Japaner, etc.pp.“ Das
ginge ja auch gar nicht, beschäftigt man sich mit der koreanischen
Geschichte, dann weiß man um die Probleme zwischen den beiden
Ländern. Dennoch, wir treffen viele japanische Touristen,
heute kommt man offensichtlich so gut aus miteinander wie
beispielsweise Deutsche und Franzosen. Nix mehr mit Erbfeind,
---- oder? Naja, bohren wir mal lieber nicht so tief in der
französischen Dominanz in Europa und ihren linken Tricks in
Brüssel. Die Koreaner haben denn auch keinen „Hosenanzug“
sondern einen ausgesprochen tüchtigen Regierungschef, der
schon vorher bewiesen hat,
daß er zu Leistung und unkonventionellen, klugen
Entscheidungen fähig ist.
Wir Bürger sind ja vergeßlich, aber wir hatten
durchaus auch schon tüchtige Politiker, ja echte Persönlichkeiten.
Doch zunehmend und inflationär wächst nur noch unteres Mittelmaß
nach, besser gesagt, echte Nullen und farblose Möchtegerne.
Schauen Sie sich beispielsweise alle unsere Präsidenten nach
Herzog an.
Grausam.

Heute sind wir in Wan-do. Meine Tochter wird
morgen 11 Jahre alt. Die letzten Geburtstage hat sie immer in
einem anderen Land gefeiert. Es war nicht einfach heute eine Kerze
aufzutreiben. Morgen fahren wir mit der Fähre, die Fahrt dauert 3
Stunden, zum
Jeju-Island.
Dort werden wir eine koreanische Geburtstagstorte probieren – sofern
wir eine finden. Dennoch, es gelang uns immer ein unvergeßliches
Highlight in den Tag zu zaubern. Birthday
on the road.
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Jeju
ist eine ziemlich große Insel, 260km im
Umfang, ausserdem eine sich „selbstverwaltende Provinz“.
Weshalb wir wohl auch die Pässe an der Fähre zeigen müssen.
Sie ist nur bei den Koreanern richtig bekannt und beliebt,
international wohl eher nicht. Dennoch, das Bemühen um den
Gast ist groß, der Attraktionen viele. Wie also
gestalten wir den Geburtstag? Nach der Überfahrt, der Suche
nach einem Hotel und dem Einchecken, machen wir
uns auf
den Weg zu einem Lavatunnel.

Der hat die Größe
eines Autobahntunnels. Vor 100 000 Jahren ist hier die Lava des
nahegelegenen – lange erloschenen- Vulkans durchgeschossen. Tolle
Formationen und geologische Besonderheiten machen das auch für
unsere Kinder interessant. Wir laufen 2 km in angenehmer Kühle, oben
auf der Erde sind 38 Grad. Kaum draussen und einige
Kilomneter gefahren kommt der absolute Hit für Kinder. Ein
Riesenlabyrinth. Da hilft nichts, da müssen wir alle rein und
den Ausgang finden. Eine Riesengaudi, das Geburtstagskind strahlt.
Wieder am Hotel stellt sich die Frage nach dem Geburtstagsessen.
Rohfisch, Oktopussy und Muscheln scheiden für sie aus. Aber es gibt,
nur einen Block entfernt, eine ganze Strasse mit
Wildschweinrestaurants. Na, nichts wie hin, wir finden ein
ziemlich gutes Restaurant und das Geburtstagsdinner kann
beginnen.
Ich will mal, neutral, versuchen zu beschreiben wie
sowas in Korea läuft: Man kommt in das Restaurant, in der Mitte ist
ein Plateau, etwa 20 cm hoch, und daruf die Tische etwa 30 cm
hoch. Hier sitzen die Koreaner, barfüssig, im Schneidersitz.
Ihre Schuhe liegen kreuz und quer im Gang vor dem Podest. (Am
liebsten würde ich mich bücken und alle in Reih und Glied stellen,
aber das ist der preussische Pedant in mir...) Ausserhalb des
Plateaus, auf der anderen Seite des um das Plateau laufenden Ganges
sind richtige Tische mit Stühlen. In jeden Tisch ist ein Gasgrill
eingelassen. Eine Bedienung kommt, gibt einem die Karte. Man kann
zwischen etwa 5-6 Gerichten wählen, alles Wildschwein,
und der Menge des Fleisches. Zum Beispiel 500gr oder 750gr.
Hat man sich entschieden, kommen 2-3 Serviererinnen und stellen um
die 20 kleine Schälchen auf das Rund um den Grill. Alles
ziemlich scharfe Sachen, Soßen und Dips. Dann kommt das Fleisch,
roh, auf einem Teller, eine Fleischzange und eine Schere.
Ausserdem gleich die Rechnung.

Man fettet nun die Grillplatte eine, grillt das
Fleisch, und taucht es, wenn es durch ist, und man es mit der
Schere kleingeschnitten hat, in die verschiedenen Schälchen,
platziert es anschließend auf einem Salatblatt und ißt. Tja, bis man
alles aufgegessen hat – oder auch nicht. Es bleibt einiges
festzuhalten: 1. Ein koreanischer Koch muß nicht kochen können.
Er muß es nur schaffen die Schälchen zu füllen und das Fleisch zu
schneiden. 2. Ein Bedienung muß nicht bedienen können,
wichtig ist, daß sie die Schälchen auf den richtigen Tisch stellt
und die Rechnung daläßt. Kassieren muß sie nicht können, das
macht man an der Kasse. 3. Gutes Benehmen ist unwichtig, man
kann nach Belieben schmatzen, schlürfen und mit den Fingern essen.
Fällt was auf den Boden macht das nichts. Kleckern kann man nach
Herzenslust, weiße Tischtücher gibt es eh nicht. Nunja, das ist
keine Klage, sondern eine Beschreibung, andere Länder, andere
Sitten. Ich finde das mal ganz interessant, ohne, daß ich
mein Ziel der Erziehung guter Tischsitten bei den Kindern
aufgeben werde. Hier in Korea stört es mich auch weniger als in
Kanada, wo ich
hier
drüber geschrieben habe.
Wie auch immer, unsere Kleine war selig und
hat nur ihre Freundin in Budapest vermißt. Heute waren im
Hallasan-Krater und im Trick-Art Museum.
Ganz toll, komme noch drauf zurück.

Das Internet ist schrecklich langsam, deshalb
auch einige Fehler, die ich nicht verbessern kann. Bilder kann ich
auch nicht posten. Wird nachgeliefert. Morgen will ich auch
mal meinen Spaß haben und werde mit meiner Frau ins
Love-Land
gehen. (Bericht folgt) Die Kinder müssen wir dann
draussen im Café parken...Zutritt erst ab 18...

Photos: Rebellog / 1:Hyundai Sonata Y20, 2: Fast
alle Privat-PKW fahren mit Gas, das Tankstellennetz ist enorm dicht,
aber der Tank kostet Platz im Kofferraum, 3:Rundschau aus dem
Fesselballon -Made in Germany-, 4: Ausschnitt aus einem
Riesenlabyrinth, 5: Lavatunnel, 6: Wildschweinrestaurant, so siehts
aber ueberall aus, 7: Ilchulbong Vulkankrater, hunderte von Stufen
bergauf bei 38 Grad Hitze, ich habe aufgegeben, aber die Familie hat
es geschafft, 8: Trick-Art-Museum, ganz toll, nicht nur fuer Kinder.
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