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Achtung, Europa!
Der Islam hat uns am 11. September den Krieg erklärt. Wenn der Westen sich dieser Herausforderung nicht stellt, wird er zusammenbrechen
von Oriana Fallaci

Tatsache ist, dass Amerika wirklich ein besonderes Land ist, mein Lieber. Ein Land, das man lieben und eifersüchtig hüten muss, und zwar wegen Dingen, die nichts mit Reichtum et cetera zu tun haben. Weißt du auch, warum? Weil es aus einem Herzenswunsch heraus entstanden ist, dem Wunsch, ein Vaterland zu haben, und aus der erhabensten Idee, die sich der Mensch je ausgedacht hat: der Idee der Freiheit oder, besser gesagt, der Freiheit und Gleichheit. Es ist ein beneidenswertes Land, weil damals, als das geschah, die Idee der Freiheit nicht in Mode war. Die Idee der Gleichheit ebenso wenig. Von diesen Dingen sprachen höchstens ein paar Denker, die Philosophen, die man Aufklärer nannte, und ihre Begriffe fanden sich nur in einigen Büchern und in den Heften eines vielbändigen und sehr kostspieligen Werks mit dem Titel Encyclopédie. Und wer wusste schon etwas über die Aufklärung, abgesehen von den Fürsten und Herren, die das Geld hatten, um das große und sehr kostspielige Werk zu erwerben, abgesehen von den Intellektuellen, die solch neumodische Ideen vertreten wollten? Die Armen machte sie ja schließlich nicht satt, die Aufklärung! Nicht einmal die französischen Revolutionäre redeten davon, da die Französische Revolution erst 1789 beginnen sollte. (Das heißt fünfzehn Jahre nach der Amerikanischen Revolution, die 1776 ausbrach, aber schon 1774 keimte: ein kleines Detail, das die Antiamerikaner des recht-ge-schieht-es-ihnen-das-geschieht-den-Amerikanern-ganz-recht nicht kennen oder nicht zu kennen vorgeben.) Außerdem ist es ein besonderes Land, weil diese Idee der Freiheit und Gleichheit sofort von Bauern begriffen wurde, die häufig Analphabeten oder jedenfalls ungebildet waren: den Bauern der dreizehn von den Engländern errichteten Kolonien. Und weil diese Idee von einer Gruppe außergewöhnlicher Politiker umgesetzt wurde, von sehr gebildeten Männern mit großartigen Qualitäten. The Founding Fathers, den Gründervätern. Hast du eine Vorstellung davon, wer diese Gründerväter waren, Benjamin Franklin, Thomas Jefferson, Thomas Paine, John Adams, George Washington und wie sie alle heißen?!? Sie hatten nichts gemein mit den Protagonisten der bevorstehenden Französischen Revolution, mein Lieber. Nichts gemein mit den avvocaticchi, den Winkeladvokaten, wie Vittorio Alfieri sie zu Recht genannt hat! Nichts gemein, möchte ich sagen, mit den hochberühmten, finsteren Henkern des Terrors, Männern wie Marat, Danton, Saint Just und Robespierre! Die Gründerväter waren Männer, die so gut Griechisch und Latein konnten, wie die italienischen Griechisch- und Lateinlehrer es nie können werden. Männer, die Aristoteles und Platon auf Griechisch gelesen hatten, Seneca und Cicero auf Latein und die die Prinzipien der griechischen Demokratie so gründlich studiert hatten wie nicht einmal die Marxisten meiner Zeit die Mehrwerttheorie. (Falls sie die überhaupt studiert haben.) Jefferson konnte auch Italienisch. Er sagte "Toskanisch". Er sprach und las Italienisch fließend. Zusammen mit den zweitausend Rebenpflänzchen und den tausend Olivenbäumchen und dem Notenpapier, das in Virginia knapp war, hatte der florentinische Arzt Filippo Mazzei ihm 1774 nämlich mehrere Exemplare eines Buches mit dem Titel Dei Delitti e delle Pene mitgebracht, geschrieben von einem gewissen Cesare Beccaria. Und der Autodidakt Franklin war ein Genie: Erinnerst du dich? Drucker, Verleger, Schriftsteller, Journalist, Wissenschaftler, Erfinder ... Im Jahre 1752 hatte er die elektrische Natur des Blitzes entdeckt und den Blitzableiter erfunden. Wenn das nichts ist! Und unter der Führung dieser außergewöhnlichen Menschen, dieser überaus gebildeten Männer von großem Format lehnten sich die Bauern, die häufig Analphabeten oder jedenfalls ungebildet waren, 1776 oder vielmehr 1774 gegen England auf. Sie begannen den Unabhängigkeitskrieg, die Amerikanische Revolution.

Trotz der Gewehre und der Kanonen und der Toten, die jeder Krieg kostet, machten sie ihre Revolution ohne die Ströme von Blut der späteren Französischen Revolution. Sie machten sie ohne die Guillotine, ohne die Massaker in der Vendée und in Lyon und in Toulon und in Bordeaux. Sie machten sie letzten Endes mit einem Papier. Dem Papier, das neben dem Herzenswunsch, dem Wunsch, ein Vaterland zu haben, die erhabene Idee der Freiheit verbunden mit der Idee der Gleichheit postulierte: die Unabhängigkeitserklärung. "We hold these Truths to be self-evident ... Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt werden . . ." Und dieses Papier, das wir seit der Französischen Revolution alle mehr oder weniger von ihnen abgeschrieben haben, das Papier, von dem wir uns alle inspirieren ließen, bildet noch heute das Rückgrat Amerikas. Den Lebenssaft dieser Nation. Weißt du, warum? Weil es die Untertanen in Bürger verwandelt. Weil es den Plebs in ein Volk verwandelt. Weil es ihn auffordert, ja ihm befiehlt, sich gegen die Tyrannei aufzulehnen, sich selbst zu regieren, seine Individualität auszudrücken, sein Glück zu suchen (was für die Armen bzw. für die Plebejer vor allem bedeutet, ihre materielle Not zu überwinden). Genau das Gegenteil von dem, was der Kommunismus machte, der Seine Majestät, den Staat, an die Stelle der ehemaligen Könige setzte und den Leuten verbot, sich aufzulehnen, sich selbst zu regieren, sich auszudrücken, reich zu werden. "Der Kommunismus ist ein monarchisches Regime, eine Monarchie vom alten Schlag. Als solche kastriert er die Männer. Und wenn du einem Mann die Eier abschneidest, ist er kein Mann mehr", sagte mein Vater. Er sagte auch, dass der Kommunismus, anstatt den Plebs zu befreien, alle in Plebejer verwandelte. Alle zu Hungerleidern machte.

Nun, meiner Ansicht nach befreit Amerika den Plebs. In Amerika sind alle Plebejer. Weiße, Schwarze, Gelbe, Braune, Grüne, Rote, Regenbogenfarbene. Dumme, Gescheite, Gebildete, Unerfahrene, Arme, Reiche ... Tatsächlich sind die Reichen sogar am plebejischsten. In den meisten Fällen richtige Trampel! Ungehobelte, ungezogene Leute ... Man sieht sofort, dass sie nie den Knigge gelesen haben, dass sie nie in Berührung gekommen sind mit Raffinesse, gutem Geschmack und sophistication. Sie kennen den Unterschied zwischen Gänseleberpastete und Leberwurst nicht, zwischen Kaviar und Kaviarersatz. Und trotz des vielen Geldes, das sie für Kleidung verschwenden, sind sie so wenig elegant, dass die Königin von England im Vergleich chic wirkt. Aber sie sind befreit, Herrgott. Und es gibt auf dieser Welt nichts Stärkeres, Mächtigeres, Unaufhaltsameres als den befreiten Plebs. Daran beißt man sich immer die Zähne aus, am befreiten Plebs. Und auf die eine oder andere Weise haben sich immer alle an Amerika die Zähne ausgebissen. Engländer, Deutsche, Mexikaner, Russen, Nationalsozialisten, Faschisten, Kommunisten . . . Zuletzt sogar die Vietnamesen. Denn nach ihrem Sieg mussten die Nordvietnamesen mit den Amerikanern verhandeln, und als Expräsident Clinton ihnen einen Kurzbesuch abgestattet hat, haben sie sich im siebten Himmel gefühlt. "Bienvenu, Monsieur le Président, bienvenu! Machen wir business mit America, oui? Boku money, oui?" Das Problem ist, dass die Söhne Allahs keine Vietnamesen sind. Und der Kampf des befreiten Plebs mit ihnen wird hart werden.

Artikel erschienen am Sa, 10. August 2002
© WELT.de 1995 - 2005 http://www.welt.de/data/2002/08/10/438017.html?prx=1

 
   

 

 

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Oriana Fallaci  1

 

 
 

Die Wut und der Stolz
von Oriana Fallaci - Auszug -


Nein, sie hat das nicht von mir TK abgeschrieben lol und: ich auch nicht von ihr! Aber unabhängig voneinander, sind doch sehr ähnliche Bemerkungen über den faschistischen Islamismus entstanden und deshalb möchte ich einige Aussagen des Buches, das momentan auf Platz 1 der Bestsellerlist steht, „Die Wut und der der Stolz“ von Oriana Fallaci (List-Verlag) zusammenfassen und vorstellen, sie schreibt -

Ich spiele nicht die Mutige: ich bin mutig. Im Frieden wie im Krieg. Nach rechts wie nach links. Ich bin es immer gewesen. Und habe immer einen sehr hohen Preis dafür bezahlt, bis hin zu physischen oder moralischen Drohungen, Neid und Gemeinheiten…Ich bin im Krieg geboren, im Krieg bin ich aufgewachsen, im Krieg habe ich den größten Teil meines Lebens verbracht. Auf ihn verstehe ich mich. Und Mumm habe ich mehr als ihr, ihr Heuchler und Feiglinge, die ihr Tausende von Menschen einschließlich vierjähriger Mädchen ermorden müsst, um den Mut zum Sterben aufzubringen. Hört mir gut zu: Krieg habt ihr gewollt, Krieg wollt ihr? Einverstanden. Was mich betrifft, sollt ihr ihn haben. Bis zum letzten Atemzug…In der Tat, mit ihnen zu verhandeln ist unmöglich. Vernünftig zu reden, undenkbar. Sie mit Nachsicht zu behandeln, Selbstmord. Und wer das Gegenteil glaubt, ist ein Idiot.

Diese Weichlinge, die Erben der 68er, die die Universitäten auf den Kopf stellten…diese Insekten, bei denen an die Stelle der marxistischen Ideologie die Mode der politischen Korrektheit getreten ist. Die Mode oder wohl eher das Idiotentum, das im Namen der Brüderlichkeit einen Pazifismus um jeden Preis predigt und selbst jenen Krieg ablehnt, den wir einst gegen den Nazi-Faschismus geführt haben. Die Mode oder wohl eher der faule Zauber, der im Namen des Humanismus (!) die Angreifer hochleben lässt und die Verteidiger verleumdet, Straftätern die Absolution erteilt und Opfer verdammt, die Taliban beweint und die Amerikaner bespuckt, den Palästinensern alles verzeiht und die Juden am liebsten in die Konzentrationslager von Dachau und Mauthausen bringen würde…Ist es wahr, dass die heutigen Vordenker der selbst ernannten Linken nicht hören wollen, was ich sage? Ist es wahr, dass sie zu toben anfangen wenn sie es hören, und unzumutbar-unzumutbar schreien?...

Diese Mullahs von gestern, diese roten Pfaffen, die mich wie eine ungläubige in Mekka behandelten, aber gleich nach dem Fall der Berliner Mauer den Ton änderten. Orientierungslos wie Küken, die sich nicht mehr unter die Fittiche der Glucke, das heißt der SU flüchten konnten…begannen sie, sich als Liberale zu gebärden. Daher spielen sie heute die Rolle von Gutmenschen. Ein bizarrer Ausdruck, in dem Wohlwollen, Nachsicht, Milde, Güte, Liebenswürdigkeit, Barmherzigkeit mitschwingt. Die Entwicklung verlief im übrigen Europa genauso, aus Rot wurde Rosa, dann Weiß. Sowohl für ihre Partei als auch für ihre Bündnisse greifen sie gern auf Pflanzen – oder Blumennamen zurück. Die Eiche, der Ölbaum und die Margarite…Wir haben verloren. Anstelle von jungen gebildeten Menschen haben wir Esel mit Universitätsdiplom. Anstelle von Leitfiguren, haben wir Weichlinge.

Ist niemandem aufgefallen, dass alle islamischen Länder Opfer eines theokratischen Regimes sind, dass sie bei näherem Hinsehen alle Kopien von Afghanistan oder dem Iran sind oder es werden möchten? Herrgott, es gibt kein einziges islamisches Land, das auf demokratische oder wenigstens säkularisierte Weise regiert wird! Nicht eines!.. Den männlichen Zikaden (eigentlich sind Zikaden blutsaugende Insekten, sie meint damit aber weichgespülte, meist linksliberale Gutmenschen und Dekadente, Anmerkung, TK), das heißt den Heuchlern, die gegen die „Kultur“ der Burkah nie den Mund aufmachen, nie einen Finger rühren, habe ich nichts zu sagen. Den homosexuellen Zikaden ebenso wenig. Vom Ärger nicht weiblich zu sein, verabscheuen sie sogar die Unglücklichen, die zur Welt gebracht haben, und sehen in den Frauen nur eine Eizelle, um ihre ungewisse Spezies zu klonen. Den Zikaden weiblichen Geschlechtes dagegen, das heißt den Feministinnen mit dem schlechten Gedächtnis, habe ich allerdings etwas zu sagen. Herunter mit der Maske. Erinnert euch noch an die Jahre, in denen ihr mich mit Beleidigungen überhäuft habt, anstatt mir dafür zu danken, dass ich euch den Weg geebnet habe? Nun, wo ist euer galliger Feminismus geblieben? Wo ist euer angeblicher Kampfgeist geblieben? Wie kommt es, dass ihr hinsichtlich eurer afghanischen Schwestern, der von den Macho-Schweinen in Rock und Turban hingerichteten…nicht mal ein kleines Protestgeschrei anstimmt vor der Botschaft von Afghanistan oder Saudi-Arabien oder irgendeinem anderen moslemischen Land? Habt ihr euch alle in den faszinierenden Usama bin Laden vergafft, in seine großen Torquemada-Augen, in seine dicken Lippen und in das, was er unter seinem schmutzigen Rock hat? Findet ihr ihn romantisch, haltet ihr ihn für einen Helden, träumt ihr davon, von ihm vergewaltigt zu werden? Oder ist euch die Tragödie eurer moslemischen Schwestern scheißegal, weil ihr sie für minderwertig haltet? Wer ist denn hier rassistisch: ich oder ihr? Die Wahrheit ist – ihr wart seid jeher Hennen, die nur im Hühnerstall zu gackern verstehen, gack, gack, gack. Parasitinnen, die bei dem Versuch, groß herauszukommen immer einen Hahn, einen Zuhälter, einen Schutzengel gebraucht haben.

Aufstehen, Leute, Aufstehen! Wacht auf! Gelähmt wie ihr seid, da ihr befürchtet, gegen den Strom zu schwimmen oder für Rassisten gehalten zu werden (übrigens ganz unpassend, das Wort, weil es hier nicht um Rasse, sondern um eine Religion geht). Begreift ihr nicht oder wollt ihr nicht begreifen, dass gerade ein Religionskrieg stattfindet? Ein Krieg, der vielleicht (vielleicht?) nicht auf die Eroberung unseres Territoriums abzielt, der es aber ganz bestimmt auf die Eroberung unserer Seelen abgesehen hat. Auf die Abschaffung unserer Freiheit und Zivilisation, auf die Vernichtung unserer Art zu leben und zu sterben, unserer Art zu beten oder nicht zu beten, unserer Art zu lernen oder nicht zu lernen, zu trinken oder nicht zu trinken, uns zu kleiden oder nicht zu kleiden, uns zu amüsieren, zu informieren…Ihr begreift nicht oder wollt nicht begreifen, dass der Jihad gewinnen wird, wenn wir uns dem nicht entgegenstellen, wenn wir uns nicht verteidigen, wenn wir nicht kämpfen. Und er wird die Welt zerstören, die wir gut oder schlecht aufgebaut, verändert, verbessert, ein wenig intelligenter, das heißt weniger bigott oder sogar überhaupt nicht bigott gestaltet haben. Er wird unsere Kultur zerstören, unsere Kunst, unsere Wissenschaft, unsere Moral, unsere Werte, unsere Freuden…Macht ihr euch nicht klar, dass Leute wie Usama bin Laden sich für berechtigt halten, euch und eure Kinder zu töten, weil ihr Wein und Bier trinkt, weil ihr keine langen Bärte oder keinen Tschador bzw. keine Burkah tragt, weil ihr ins Theater oder ins Kino geht, weil ihr Musik hört und Schlager singt, weil ihr in Diskotheken oder zu Hause tanzt, weil ihr fernseht, weil ihr Miniröcke oder Shorts tragt, weil ihr am Meer oder im Schwimmbad nackt oder fast nackt herumlauft, weil ihr vögelt wann ihr Lust habt und mit wem ihr Lust habt? Und schließlich weil ihr an Jesus Christus glaubt oder vielmehr Atheisten seid! Ist euch nicht einmal das wichtig, ihr Dummköpfe? ICH BIN ATHEISTIN, GOTT SEI DANK. EINE UNVERBESSERLICHE, STOLZE ATHEISTIN. Und ich hege nicht die geringste Absicht, mich dafür bestrafen zu lassen von den Söhnen Allahs, das heißt von denen, die, anstatt zur Verbesserung der Menschheit beizutragen, ihre Zeit damit verbringen, mit dem Hintern in der Luft fünfmal am Tag zu beten…Welchen Sinn hat es, Leute zu respektieren, die uns nicht respektieren? Welchen Sinn hat es, ihre Kultur oder angebliche Kultur zu verteidigen, wenn sie die unsere verachten?...Und an Stelle der Miniröcke tragen wir die Burkah, anstelle des Cognacs trinken wir Kamelmilch. Nicht einmal das wollt ihr verstehen, ihr Idioten! Blair hat es kapiert. Gleich nach der Tragödie ist er hierher gekommen und hat Bush die Solidarität der Engländer erklärt. Keine Solidarität, die sich in Geschwätz und Gejammer erschöpft: eine Solidarität, die auf der Jagd der Terroristen und einem militärischen Bündnis basiert…Tatsächlich habe ich das große Bedürfnis, den Spieß umzudrehen und ihn zu ermorden. Das Problem ist, dass der Spuk mir dem Tod Usama bin Ladens nicht vorbei, nicht gelöst ist. Denn es gibt zu viele Usama bin Ladens, gerade heute: Sie sind wie Schafe aus dem Klonlabor…

 

Oriana Fallaci: Die Wut und der Stolz.
Übersetzt aus dem Italienischen von Paula Cobrace
.
Paul List Verlag, München 2002.
195 Seiten, 18,00 EUR.
ISBN 3471775587

 
   

 

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Oriana Fallaci  1

 

 
 

Oriana Fallaci: Über den Antisemitismus
Ich finde es beschämend, daß in Italien Umzüge stattfinden, auf denen als Selbstmordattentäter Verkleidete infame Verwünschungen Israels herausschreien, Fotographien hochhalten, auf denen führende Israelis mit einem Hakenkreuz auf der Stirn versehen sind, und die Öffentlichkeit zum Judenhaß aufstacheln.
(...)
Ich finde es beschämend, daß die katholische Kirche einem Bischof, der obendrein im Vatikan residiert, erlaubt an diesem Umzug teilzunehmen, nachdem dieser falsche Heilige in Jerusalem mit einem Arsenal von Waffen und Sprengstoff, das er in Geheimfächern seines heiligen Mercedes versteckt hatte, erwischt worden war. Derselbe stellt sich auf diesem Umzug vors Mikrophon und dankt im Namen Gottes den Selbstmordattentätern, die Juden in Pizzerien und Supermärkten massakrieren, und nennt sie "Märtyrer, die in den Tod wie zu einem Fest gehen".
(...)
Ich finde es beschämend, daß sie [unsere Priester] sich auf die Seite derer stellen, die den Terrorismus beweihräuchern, der uns in Flugzeugen, auf Flughäfen, bei Olympiaden tötet und der sich heute damit beschäftigt, westliche Journalisten dahinzumetzeln, sie zu erschießen, zu vergewaltigen, ihnen die Kehle durchzuschneiden, sie zu köpfen. (Nach dem Erscheinen von La Rabbia e l´Orgoglio drohte mir ein Unbekannter an, dasselbe mit mir machen. Er zitierte Koransuren und forderte seine "Brüder" in den Moscheen und islamischen Gemeinden auf, mich im Namen Allahs zu bestrafen, mich zu töten, sogar mit mir zu sterben.)
(...)
Ich finde es beschämend, daß die staatlichen Fernsehsender zum antisemitischen Ressentiment beitragen, (...) daß in ihren Talk-Shows eben die Turban oder Pilgermützen tragenden Schurken mit großer Hochachtung und Gastfreundschaft behandelt werden, die den Anschlag von New York lobpreisen wie sie heute die Anschläge in Jerusalem, Haifa, Netanya und Tel Aviv lobpreisen. (...) Ich finde es beschämend, daß die Presse das gleiche macht (...), daß man es für richtig hält, der Zahl der seit Beginn der zweiten Intifada getöteten Israelis (derzeit 412) einen Beigeschmack von Alltäglichkeit zu verleihen, indem man in Fettdruck herausstrich, daß schließlich im israelischen Straßenverkehr mehr Juden sterben (600 pro Jahr).
(...)
Ich finde es beschämend, daß nahezu die ganze Linke, jene Linke, die vor zwanzig Jahren auf einer Gewerkschaftsdemonstration gestattete, daß eine Bahre vor die Römische Synagoge gelegt wurde (eine Warnung, wie sie für die Mafia typisch ist), den Beitrag der Juden am antifaschistischen Kampf vergessen macht, (...) von den 75 unter 350 in Fosse Ardeatine Getöteten zu den ungezählten anderen, die unter der Folter, im Gefecht oder vor den Exekutionskommandos ihr Leben ließen. Ich finde es beschämend, daß auch, ja sogar hauptsächlich die Linke daran schuld ist (man denke an die Linke, die ihre Kongresse damit eröffnet, dem italienischen PLO-Vertreter, dem Führer der Palästinenser, die die Zerstörung Israels wollen, zu applaudieren), daß die Juden in den italienischen Städten wieder Angst haben müssen. Dasselbe gilt in französischen, niederländischen, dänischen und deutschen Städten.
(...)
Ich finde es beschämend, daß die üblichen Opportunisten, die üblichen Aasgeier, die wie immer der Dummheit, der Gemeinheit und der Ehrlosigkeit, also ihrer eigenen, höchst eigennützigen Form der Politischen Korrektheit gehorchen, das Wort Frieden ausbeuten. Daß sie im Namen des Friedens, eines Wortes, das jetzt schon mehr besudelt ist als die Worte Liebe und Menschlichkeit, den einseitigen Haß und die einseitige Bestialität schönreden. Daß im Namen eines Pazifismus (sprich Konformismus), der das Geschäft gefühliger Schwätzer und Hofnarren ist, die einst die Füße Pol Pots leckten, verwirrte, naive und furchtsame Menschen aufgehetzt werden. Daß diese getäuscht, verdorben und ein halbes Jahrhundert zurückversetzt werden, d.h. in die Ära des gelben Sterns am Mantel. Den Scharlatanen bedeuten dabei die Palästinenser genausoviel wie mir die Scharlatane. Nämlich nichts.

Ich finde es beschämend, daß so viele Italiener, so viele Europäer sich zu Vasallen des Herrn Arafat machen (...) Diese Null, die dank der Gelder der saudischen Königsfamilie den Dauer-Mussolini gibt und der in seinem Größenwahn glaubt als der George Washington Palästinas in die Geschichte einzugehen. Dieser Halbanalphabet, der, wenn man ihn interviewt, nicht in der Lage ist, einen kompletten Satz, geschweige denn eine sinnvolle Aussage fertig zu bringen (...) Dieser Pseudo-Guerillero, der wie Pinochet immer nur Uniform und niemals Zivil trägt, und der dessen ungeachtet noch niemals an einem Gefecht teilgenommen hat. Er ließ immer und läßt noch Krieg führen. Nicht zuletzt gegen die armen Seelen, die an ihn glauben. Dieser pompöse Stümper, der sich in der Rolle des Staatsoberhaupts gefällt, ließ die Verhandlungen von Camp David scheitern, die Clinton-Initiative: Nein-Nein-Jerusalem-das-ich will-alles-haben-für mich. Dieser notorische Lügner, den ein Hauch von Glaubwürdigkeit nur dann umgibt, wenn er (im Privaten) Israel das Existenzrecht bestreitet (...) Dieser ewige Terrorist, der sich nur auf Terrorismus versteht, der damals, als ich ihn interviewte, RAF-Terroristen ausbildete. (...) Heute bildet er Kinder zu Selbstmordattentätern aus. Dieser Räuberhäuptling, der seine Frau nach Paris schickt, ausgestattet und hofiert wie eine Königin, der hingegen sein Volk in der Scheiße hält. Aus dieser Scheiße holt er einzelne nur, um sie zu Sterben, zum Töten und Sterben, zu schicken.
(...)
Ich finde all das beschämend und sehe darin den Ursprung eines neuen Faschismus, eines neuen Nazismus. Ein Faschismus, ein Nazismus, umso finsterer und abscheulicher, wie er von jenen angeführt und hochgepäppelt wird, die scheinheilig auf Gutmensch, auf fortschrittlich, auf kommunistisch, auf pazifistisch, auf katholisch und christlich machen und die die Stirn haben, mich, die die Wahrheit herausschreit, Kriegstreiber zu nennen. Ich bin niemals sanft mit dem tragischen, geradezu shakespearianischen Sharon umgegangen. ("Ich weiß, daß Sie gekommen sind, um sich einen Skalp an den Gürtel zu hängen", murmelte er fast traurig, als ich ihn 1982 interviewte). Mit den Israelis bin ich oft hart ins Gericht gegangen, und habe die Palästinenser in der Vergangenheit manches mal verteidigt. Vielleicht mehr als sie es verdient hatten. Aber ich stehe auf Seiten Israels, auf Seiten der Juden. Dort stehe ich, wie ich es von klein auf tat, d.h. in der Zeit, als ich mit ihnen kämpfte, und die Anne Marias erschossen wurden [A.M. Enriques Agnoletti, eine jüdische Freundin Fallacis, wurde am 12.6.1944 in Florenz von Deutschen getötet]. Ich verteidige ihr Existenzrecht, ihr Recht zur Selbstverteidigung, ihr Recht, sich nicht ein zweites Mal vernichten lassen zu müssen. Angeekelt vom Antisemitismus so vieler Italiener, so vieler Europäer, schäme ich mich für diese Schande, die mein Land und Europa entehrt. Im besseren Falle ist es nicht eine Staatengemeinschaft, sondern ein Sumpf voller Gestalten wie Pontius Pilatus. Und auch, wenn alle Bewohner dieses Planeten darüber anders dächten, werde ich weiterhin so und nicht anders denken.


Aus dem Italienischen übersetzt von Uli Krug
Quelle: Henryk M. Broders Homepage

 
   

       

 

         
       

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Oriana Fallaci  1

 

 
 

Kreuzzug für die Freiheit
Oriana Fallaci ist wütend auf Europa, und sie ist stolz auf seine Kultur. Und das ist auch verdammt gut so
von Alan Posener

Mit "Die Wut und der Stolz" bricht die Kriegsreporterin, Star-Interviewerin und Romanautorin Oriana Fallaci ein zehnjähriges Schweigen. In einer "Predigt" ruft sie zum Widerstand des Westens gegen den Dschihad auf, den sie nicht als Projekt einiger weniger Terroristen, sondern als bedrohlich islamische Massenbewegung begreift. Das Buch ist Polemik und Abrechnung, Selbstvergewisserung und Utopie; eine Liebeserklärung an das real exisitierende Amerika und an das Ideal eines patriotischen Italien, eines selbstbewussten Europa

Keine Frage: Oriana Fallaci hat das wichtigste politische Buch dieses Jahres geschrieben. Denn es handelt sich bei diesem, gestehen wir es nur, intoleranten, ungeduldigen, ungerechten, einseitigen, zuweilen kleinlichen, frei assoziierenden und subjektiven, ausgesprochen kritisierenswerten Pamphlet um das Gründungsdokument eines europäischen Liberalismus, der diesen ehrenvollen Namen wieder verdienen könnte. Das werden die Einerseits-andererseits-Wischiwaschi-Liberalen nicht so sehen, von den Projekt-18-Populisten, die den Namen liberal nicht verdienen, ganz zu schweigen. Doch die Liberalen, denen es nicht um Parteien und Prozente, sondern um ein Prinzip geht, um die Libertas, werden das begreifen - wenn sie das Buch lesen. Was angesichts eines Schutzumschlags in Lippenstiftrot und Blattgold, als handele es sich um einen Edelporno, nicht unbedingt nahe liegt.

Die Wut hat Konjunktur: "Wut ist der Schlüssel", schrieb die indische Schriftstellerin Arundhati Roy unmittelbar nach dem 11. September zur Rechtfertigung der Massenmörder. "Die Wut wächst", pflichtet ihr der deutsche Politiker Oskar Lafontaine mit dem Titel eines neuen Buches mit alten Ideen bei und rechtfertigt damit den ungebrochenen antiamerikanischen, antikapitalistischen Furor der Linken, den ewigen Selbsthass der Kinder des Westens. Nun also "Die Wut und der Stolz" von Oriana Fallaci. Ein Buch wie ein Befreiungsschlag. Endlich richtet sich die Wut, unbekümmert um politische Korrektheit, gegen die Täter, ihre Hintermänner und Apologeten: "Sie sagen: ‚Wunderbar. Recht geschieht es ihnen, den Amerikanern.' Und ich bin wütend, sehr wütend. Ich spüre eine hellsichtige, rationale Wut. Eine Wut, die jeden Abstand, jede Nachsicht ausschließt, die mir befiehlt zu antworten und vor allem, auf diese Leute zu spucken. Ich spucke auf sie." Endlich wird - von unverdächtiger Seite, von einer Atheistin, Feministin und Freundin des Fortschritts - von dem Stolz gesprochen, den man empfinden darf, kann, ja muss, wenn man sich nicht aufgeben will: Vom Stolz auf jene Kultur, die Osama Bin Laden, Mohammed Atta & Co, Ayatollah Khomeini und die vielen kleinen Khomeinis, Saddam Hussein und die vielen kleinen Saddams bis hinunter zu Jassir Arafat und wie die Dunkelmänner alle heißen, zerstören wollten und wollen. Eine Kultur, deren höchste Errungenschaft eben der Liberalismus ist, die Doktrin und Praxis der individuellen Freiheit als Zweck gesellschaftlichen Lebens und staatlichen Handelns. Die westliche Leitkultur, die jene Partei, die sie als politischen Kampfbegriff ins Spiel brachte, ausgerechnet aus Angst, illiberal zu erscheinen, wieder zurückzog - kurz vor dem 11. September 2001.

"Die Wut und der Stolz" ist ein Sermon, in der Tradition der Predigt, mit der Papst Urban II. am 27. November 1095 zum Ersten Kreuzzug aufrief: "Es sollte ein Brief über den Krieg werden, den die Söhne Allahs dem Westen erklärt haben, doch während ich es schrieb, ist es nach und nach eine Predigt an die Italiener und alle anderen Europäer geworden", schreibt Fallaci: "Aufstehen, Leute, aufstehen! Wacht auf! . . . Ihr begreift nicht oder wollt nicht begreifen, dass der Dschihad gewinnen wird, wenn wir uns dem nicht entgegenstellen, wenn wir uns nicht verteidigen, wenn wir nicht kämpfen."

Wie ist George W. Bush von den Publizisten dafür gekreuzigt worden (das Verb ist mit Absicht gewählt), dass er in einer ersten, spontanen Reaktion von einem "Kreuzzug" gegen die Gotteskrieger sprach! Nein, mit den Kreuzzüglern wollen wir Kinder der Aufklärung nichts zu tun haben - obwohl uns die Islamisten so nennen, ob wir es wollen oder nicht. Doch manchmal muss man sich, wie es in der "Feuerzangenbowle" heißt, ganz dumm stellen und mit Oriana Fallaci den Papst fragen: "Ist es wahr, dass Sie die Söhne Allahs vor einiger Zeit um Verzeihung gebeten haben für die Kreuzzüge, die Ihre Vorgänger unternahmen, um das Heilige Grab zurückzuerobern? Haben die Söhne Allahs sich denn je bei Ihnen dafür entschuldigt, dass sie es sich genommen hatten? Haben sie sich je bei Ihnen dafür entschuldigt, dass sie fast acht Jahrhunderte lang die erzkatholische Iberische Halbinsel unterjocht haben . . .?"

Oriana Fallaci war immer unmöglich. Die Tochter eines von den Deutschen internierten und gefolterten italienischen Antifaschisten und Geliebte eines von den Obristen inhaftierten und später von Geheimbündlern ermordeten griechischen Antifaschisten verdarb es sich mit der europäischen Linken, als sie den Kommunisten und ihren Sympathisanten das Recht absprach, im Namen des Antifaschismus zu sprechen; die Feministin und Autorin des gefeierten "Briefs an ein nie geborenes Kind" verdarb es sich mit den westlichen Feministinnen, als sie bekannte, der schlaffe Sofa-Chauvinismus der gezähmten Männer des Okzidents sei nicht so schlimm wie die mörderische Frauenfeindlichkeit der Islamisten; ihre Interviewpartner, von Wernher von Braun über Golda Meir bis hin zum Ayatollah Khomeini, konnte sie zu unvorsichtigen Bemerkungen provozieren, die sie ein Leben lang bereuten. "Manchmal sehe ich mich als Cowboy, der allein auf seinem Pferd die Wagenkolonne anführt", sinnierte etwa Henry Kissinger: "Eine Wildwestgeschichte, wenn Sie so wollen." Und eine Unterhaltung, die der US-Außenminister für die "desaströseste" seiner Karriere hielt. Selbst geneigte Leser ihrer Interviews und Reportagen - und sie zählen nach Millionen - ärgert es, dass jedes Stück, wie sie freimütig gegenüber "Time" bekannte, "ein Porträt von mir selbst ist"; dass sie, wie die "Washington Post" bemerkte, "mehr sein will als eine brillante Reporterin, nämlich ein Racheengel". Wer in ihrem neuen Buch nach selbstverliebten und gehässigen Stellen suchen, wer den übermächtigen Selbstdarstellungs- und Rache-Impuls der Fallaci wieder einmal am Werk sehen will, der muss nicht lange nach Zitaten suchen. Es wird den "Zikaden" und "Idioten" (Fallaci über ihre Kritiker) also nicht schwer fallen, auch dieses Werk als unmöglich abzutun.

Etwa wenn Fallaci die Folgen eines siegreichen Dschihads schildert: "Und anstelle der Kirchenglocken ruft dann der Muezzin, anstelle der Miniröcke tragen wir den Tschador oder vielmehr die Burka, anstelle eines kleinen Cognacs trinken wir Kamelmilch. Nicht einmal das versteht ihr, nicht einmal das wollt ihr verstehen, ihr Idioten?!?" Lächerlich! Unvorstellbar, nicht wahr? Das dachten freilich einmal auch die Frauen von Beirut und Algier, Teheran und, ja, auch Kabul. Und wie viele Frauen gibt es in den Gettos unserer Großstädte, die einmal von Europa als Versprechen der Freiheit träumten und in der Sklaverei einer islamisch dominierten Subkultur aufwachten? Wir wissen es nicht, das ist das Schlimmste. Unser liberaler Impuls, das Beste, was unsere Gesellschaft hervorbringt, heißt uns das Fremde, das Andere dulden, ja willkommen heißen; die Freiheit, so sagen wir uns, sei immer die Freiheit des anders Denkenden; und vergessen dabei Karl Poppers Grundsatz, dass die offene Gesellschaft die Intoleranz nicht tolerieren darf - oder wie es Fallaci formuliert: "Ich bin Atheistin, Gott sei Dank. Eine unverbesserliche, stolze Atheistin. Und ich hege nicht die geringste Absicht, mich dafür bestrafen zu lassen von den Söhnen Allahs, das heißt von denen, die anstatt zur Verbesserung der Menschheit beizutragen, ihre Zeit damit verbringen, mit dem Hintern in der Luft fünf Mal am Tag zu beten."

Das hat nichts mit Kampf der Kulturen zu tun. Denn Fallaci will "die Kultur der Bartträger in Rock und Turban" gar nicht gleichberechtigt neben der westlichen Kultur gelten lassen: "Wie man es auch dreht und wendet, ihre Ahnen haben uns nichts als ein paar schöne Moscheen und eine Religion hinterlassen, die gewiss nicht zur Geistesgeschichte beigetragen hat. Und die in ihren akzeptabelsten Aspekten ein Plagiat der christlichen und der jüdischen Religion und sogar der hellenistischen Philosophie ist". Es charakterisiert das erreichte Maß westlicher Selbstaufgabe, dass wir weit schärfere Urteile über das Christentum mit einem Achselzucken quittieren, aber bei diesen Sätzen zusammenfahren. Seit Khomeini eine Fatwah gegen Salman Rushdie wegen der "Satanischen Verse" aussprach und sich europäische Intellektuelle dazu herbeiließen, dafür "Verständnis" zu äußern - Günter Grass, das sei ihm nie vergessen, trat immerhin aus der West-Berliner Akademie der Künste aus, weil sich die versammelten Schöngeister nicht zu einer Resolution für Rushdie entschließen konnten -, seitdem üben die Mullahs de facto auch bei uns eine Zensur aus. Und machen übrigens klar, worin wirklicher Mut bestehen könnte: Nicht in der Aufführung eines Stückes, in dem Jesus und seine Jünger als Schwule dargestellt werden, so spaßig das épater les bourgeois sein mag, sondern in der öffentlichen Lesung und Diskussion der "Satanischen Verse" Rushdies - und der Tiraden Fallacis. Sich diese Freiheit zu nehmen könnte, so weit ist es mit der Globalisierung gekommen, mehr kosten als eine Anzeige verkniffener christlicher Pharisäer.

Fallacis Ausfälle gegen die "Eindringlinge" sind für Liberale gewiss schwer zu ertragen. Doch hinter ihrem Geschimpfe auf "Terroristen, Diebe, Vergewaltiger, ehemalige Sträflinge, Prostituierte, Bettler, Drogenhändler, Menschen mit übertragbaren Krankheiten", das ihr Zustimmung aus Kreisen bescheren dürfte, mit denen sie sonst wenig gemeinsam hat, steht die Verzweiflung an einem Italien, an einem Europa, das sich als Ideal aufgegeben hat, sich nur noch als Standort und Kultur als Standortfaktor begreift; das kulturell, politisch und militärisch nichts mehr von sich verlangt und darum weder den Mumm noch die moralische Legitimation hat, etwas von seinen Gästen - gebeten wie ungebeten - zu verlangen. Das nicht zur Wut fähig, weil es nicht zum Stolz bereit ist und sich stattdessen in wohlfeiler Scham und bequemer Nachsicht ergeht.

Oriana Fallaci: Die Wut und der Stolz.
Aus dem Italienischen von Paula Cobrace. List, München. 195 S., 18 E.
Artikel erschienen am Sa, 17. August 2002
© WELT.de 1995 - 2005 http://www.welt.de/data/2002/08/17/439293.html?prx=1

 
   

       

 

         
       

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